_Herzenswünsche
Gott sprach in meine Situation
Ich erinnere mich noch gut: Ich saß in meinem Dachzimmer in der Heidelberger Altstadt, den gerade gelesenen Brief aus Belgien vor mir. Zwei Jahre nach Abschluss des Dolmetscher- und Übersetzerstudiums für Deutsch und Französisch in Edinburgh mit anschließendem postgraduierten Studium und Lehrtätigkeit an der Uni Heidelberg stand ich an einer Weggabelung und wusste nicht weiter.
In der eher calvinistischen als biblischen Überzeugung, dass Gott seine Leute dort haben will, wo sie am wenigsten hin wollen, hatte ich wegen einer möglichen Stelle an der Uni in Mons angefragt. Die Not der wenigen christlichen Studenten dort war mir von einem Auslandssemester bewusst, und Studentenarbeit hatte mir Gott klar aufs Herz gelegt. Mir schien die schöne Zeit in Heidelberg zu Ende zu gehen. Nach langem Prüfen und überlegen hatte ich mich dazu durchgerungen, den Brief mit der Anfrage abzusenden.
Und dann eine Absage - keine freie Stelle in absehbarer Zeit! Dazu noch der Vorschlag, es doch an der Uni in Germersheim (Fachbereich Angewandter Sprach- und Kulturwissenschaft der Uni Mainz) zu versuchen, dort würde jemand mit Muttersprache Englisch gesucht. Germersheim ... ein Kaff in der Pfalz, wo außer Wein nichts zu finden ist, das sollte noch schlimmer als Mons sein. Außerdem wollte ich nicht unbedingt in Deutschland bleiben - meine Oma in Schottland hatte mich damals mit den Worten verabschiedet: " Komm mir ja nicht mit einem Deutschen zurück!" - und die SMD kam auch ganz gut ohne ausländische Hilfe zurecht. Anscheinend war die ebenfalls angedachte Überlegung, nach Schottland zurückzugehen (ohne einen deutschen Mann!) und zu promovieren, eher dran, als in Deutschland zu bleiben.
Zutiefst enttäuscht über diese eher banale, scheinbar wenig geistliche Lösung, ging ich zur Stillen Zeit über und schlug halbherzig die Losungen auf: "Bleibe im Lande und nähre dich redlich. Habe deine Lust am Herrn; der wird dir geben, was dein Herz wünscht." (Psalm 37,3b - 4). Konnte man unter dieser "Redlichkeit" eine Absage an die staatlich subventionierte ewige Weiterbildung verstehen?! Das durfte wohl nicht wahr sein - nie zuvor hatte ich erlebt, dass ein Bibelwort so direkt in meine Lebenssituation hinein gesprochen hatte.
Einige Tage überlegte ich hin und her und bewarb mich schließlich in Germersheim . Ich bekam eine Zusage als wissenschaftliche Mitarbeiterin, zog nach Germersheim, durfte dort das Entstehen einer SMD-Gruppe erleben und mitgestalten und einen Beruf ausüben, der sich später ausgezeichnet mit meinen Aufgaben in einer inzwischen fünfköpfigen Familie kombinieren ließ. Ich bin unendlich dankbar für die Führung Gottes in meinem Leben.
Übrigens, meine Grandma nahm schließlich meinen Mann Reinhold mit den Worten in die Familie auf: " I’ll just call him Richard".
Elspeth Friedrich, Dozentin an der Uni Germersheim






