Zwei Jahre und mehr
Georgien????? Wie der Durchschnittsdeutsche wusste auch ich über dieses Land vor Ostern 2000 in Aschaffenburg nicht viel. Auf der IFES-Studentenkonferenz lernte ich dann einige georgische Studenten kennen und hörte von der Möglichkeit, in einem IFES-InterAction-Team im Ausland mitzuarbeiten. Im Herbst 2004 fand ich mich in Georgien wieder. In Georgien gibt es kein „klassisches“ IFES-InterAction-Team (mit mehreren Ausländern) mehr. Deshalb durfte und musste ich als Mitglied des georgischen Hauptamtlichenteams nach einem halben Jahr des Sprache- und Kulturlernens ziemlich viel Verantwortung übernehmen: Missionarische Gruppe für Germanistikstudenten, Schulung der studentischen Mitarbeiter, Vorbereitung von Freizeiten usw. Die meisten Aufgaben waren zwar nicht vollkommen neu für mich, aber um sie in dieser fremden Kultur und Sprache anpacken zu können, musste ich doch immer wieder über meinen Schatten springen. Die georgische Studentenarbeit ist der deutschen in manchem ähnlich, aber die Menschen unterscheiden sich doch sehr: Dass man manchmal Konflikte lieber anders lösen sollte, als mit der betroffenen Person direkt zu reden, ist immer noch eine Herausforderung für mich. Die Herzlichkeit der Menschen half mir zwar, mich schnell einzugewöhnen, aber ich musste auch lernen, meine Privatsphäre (ein Fremdwort für Georgier!) angemessen zu verteidigen.
Ich staune, wie Gott mich all die Jahre zuvor auf Georgien vorbereitet hat. Viele Dinge, die für andere Deutsche schwierig sind – georgische Sprache und Schrift, einfache Lebensverhältnisse, plötzliche Änderungen (z.B. Absage des Freizeitheims eine Woche vor der Freizeit), Unpünktlichkeit – haben mir keine großen Probleme bereitet. Und manches, was ich in der Hochschul-SMD gelernt hatte, konnte ich gut in die georgische Situation übertragen. Obwohl das Leben in Georgien nicht immer leicht für mich ist, fühle ich mich in Georgien nach wie vor am richtigen Platz, so dass sich mein „Kurzzeiteinsatz“ noch einmal um zwei Jahre verlängern wird...
Kathrin Steinbauer, 2007





