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_Andacht des Monats Januar 2008: "Ich kann nicht schweigen"

Zielgedanke

Ich kann nicht schweigen – oder doch?

Warum es gut ist unseren Glauben zu kommunizieren und was wir dabei bedenken könnten.

Einstieg

Bei uns in der Gemeinde singen wir immer wieder ein Lied von Albert Frey, in dem die Rede von der übersprudelnden Freude in uns ist. Von einer Freude, die uns geradezu zwingt, anderen zu erzählen, worin ihr Ursprung liegt. Das Lied singt ihr vielleicht auch ab und zu in eurem SBK, es beginnt mit dem Satz "Ich kann nicht schweigen, von dem was Du getan hast".

Aber wie ist es mit unserer Authentizität bestellt, wenn wir dieses Lied singen? Ich für meinen Teil muss sagen, dass ich sehr wohl schweigen kann, schweigen von meinem Glauben an Gott, von Lebensfragen und Führungen, die ich erlebt habe. Interessanterweise betrifft das Schweigen nicht nur die abstrakteren Fragen wie die Auferstehung Jesu, sondern besonders auch Fragen des täglichen Erlebens. So schweigt es sich beispielsweise leicht über Dinge, die man mit Gottes Hilfe geschafft hat, aber von anderen schnell dem eigenen Vermögen zugeschrieben werden. Das Stoßgebet während der Klassenarbeit ("ich bekenne dich auf ewig bei jeder Gelegenheit, wenn du mir hier nur irgendwie durch hilfst") ist schnell vergessen, wenn beim Präsentieren der 2 die Oma voll Stolz auf das kluge Enkelkind den 5-Euro-Schein zückt.

Kleine Aufgabe

Nimm dir einen Moment Zeit und frage dich selbst: Gibt es bei dir auch solche Momente, in denen du auf Gottes Führung hoffst, sie erlebst und kurz denkst: Das ist ja übernatürlich, danke Gott? Teilst du diese Erlebnisse anderen mit, in der Familie, im SBK oder unter Freunden? Fällt es dir leicht über Gebetserhörungen und Fügungen mit Anderen zu sprechen? [Tauscht euch darüber im SBK kurz aus.]

Warum nicht einfach diskret sein?

Vielleicht sagst du dir: Eigentlich geht das doch niemanden was an, wenn ich mit Gott persönlich was erlebe. Man erzählt doch auch nicht jedes Detail aus seinen Freundschaften gleich herum. Dieser Einwand ist in gewissem Umfang richtig, aber kann nicht dazu herhalten, sein ganzes Gotteserleben unter Datenschutz zu stellen. Wenn man sich die zentralen Punkte des Christentums anschaut, dann gehört das Zeugnisgeben ganz sicher dazu. Ganze Bücher der Bibel sprechen davon, wie Menschen ihre Erlebnisse mit Gott den anderen mitgeteilt haben. Das ist genau der Stoff, aus dem Ermutigung gemacht ist. Das ist der Stoff, aus dem Mission besteht.

Frag dich einmal selbst: Wenn nur ein kleiner Teil der Menschen, die das besagte Lied sonntäglich hingebungsvoll singen, tatsächlich nicht immer genau dann schweigen könnten, wenn es darauf ankommt, würde die Welt dann wohl anders aussehen?

Aber was soll man auch sagen…

Wenn du denkst, es gibt nicht viel, was Du sagen kannst, wenn deine Erfahrung mit Gott einfach nicht wirklich etwas hergibt, dann kann das an verschiedenen Dingen liegen. Manchmal hängt das vielleicht vom Blickwinkel ab, mit dem man sein Leben sieht. Es kommen keine Walfische, die einen verschlucken, keine Plage widerfährt denjenigen, die einen ungerecht behandeln. Aber dass du nicht verbitterst, wenn dir jemand ungerecht begegnet, dass Gott dir durch einen Freund oder die Tageslosung Mut zuspricht scheint normaler Christenalltag. Doch genau das ist gar nicht so normal wie du denkst – aber der staunende Blick auf das Möglichmachen Gottes ist oft durch Gewöhnung und Rationalisieren verstellt. Für einen großen Teil der Menschen ist es zum Beispiel völlig abwegig morgens Losung zu lesen und dann noch einen Trost darin zu erfahren.

Es gibt aber auch Zeiten, in denen du denkst, du hast wirklich nicht viel mit Gott erlebt. Dein Glaube ist nicht zugänglich, das Alltägliche getrennt vom "Frommen". Es kann sein, dass du in solchen Zeiten gerne selbst das Ruder in der Hand hältst, wer ordentlich vorbereitet in die Klassenarbeit geht, braucht keine Stoßgebete und wer den Geldbeutel nicht zu Hause liegen lässt, keine Angst vor dem Fahrkartenkontrolleur. Dann frage dich mal, wo Gott deine Kontrolle in Frage stellt, meistens ahnt man das schon genau.

Hoher Einsatz – erhöhte Chance

Je mehr wir jedoch im Alltäglichen Gott mit einbeziehen, je mehr wir ihn bitten und teilhaben lassen, umso leichter fällt es uns dann wieder, zu verstehen, was unser Glaube bedeutet. Ich erinnere nochmal: Durch die Sühnung unserer Sünden durch Jesus sind wir mit Gott im Reinen, die Verbindung ist wiederhergestellt, wir können mit ihm leben, so richtig praktisch.

Einfach mal den Mund aufmachen?

Reden ist Silber, schweigen ist Gold – so hört man doch auch immer wieder. Und in der Tat ist es beispielsweise eher unpassend, wenn man auf einmal während der Klassenarbeit endlich dem Impuls folgt, vor der ganzen Klasse seinen Glauben zu bekennen. Und so sollte man den Liedtext auch verstehen: "Nicht schweigen" heißt nicht "immer reden". In der Verneinung des Schweigens steckt vielmehr die Betonung darauf, dass man im richtigen Moment dem Falschredner nicht die Worthoheit überlässt.

Brauchen wir Mut?

Zu seinen Überzeugungen stehen, das mit Gott Erlebte teilen, das Mitteilen im richtigen Takt stattfinden lassen: Was für Forderungen! Da muss man sich jetzt richtig zusammenreißen, disziplinieren und Mut zeigen! Doch halt – wie geht das Lied noch gleich?

Ich kann nicht schweigen
von dem, was du getan hast.
Du gabst dein Leben, um mich zu befrei'n.
Ich kann nicht leugnen,
was du für mich bedeutest.
Mein ganzes Leben gehört dir allein.

Und wenn ich daran denke,
wie sehr du mich liebst
und was ich dir verdanke,
dann jubelt mein Herz.

Ich kann nicht anders, als zu singen.
Ich kann nicht anders, als von dir zu erzähl'n.
Ich kann nicht anders, als dich preisen

mein ganzes Leben lang.

(Liedtext: Albert Frey)

Gott hat sein Leben gegeben, Gott greift in unser Leben ein, er teilt sich mit. Er führt und begegnet uns. Und so geht es nicht ums Fordern und Erfüllen etwaiger Ansprüche Gottes, sondern um das "nicht schweigen können" aus innerer Motivation, aus Dank, aus Freude für alles, was er für uns getan hat.

Wir brauchen also Mut, aber nicht um zu jeder Ungelegenheit "ähm, ich bin Christ" herauszukrampfen, sondern um vor uns selbst zu dem zu stehen, was wir glauben. Dies geschieht indem wir bewusst festhalten, was wir von Gott erhalten, und ihn immer wieder im alltäglichen Handeln suchen. Dass wir dann irgendwann nicht mehr von dem schweigen können, was Gott für uns tut, das ergibt sich dann von selbst.