_Andacht des Monats Juli 2010: Gnade!
Zielgedanke
Durch ein Geschenk von Gott dürfen wir zu ihm kommen, ohne es verdient zu haben. Gnade!
Bibeltext
Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. (Römer 3, 23-24)
Hauptteil
Zu Beginn einer Andacht ist es gut, einen Einstieg zu haben, ein Beispiel aus dem Alltag, das hier das Thema Gnade deutlich macht oder zeigt, dass es etwas alltägliches ist. Doch beim Thema Gnade ist das gar nicht so einfach. Ich glaube, dass es bei uns sehr selten vorkommt, dass Menschen ein unverdientes, großzügiges Geschenk bekommen, beziehungsweise ein solches machen.
Denn das bedeutet Gnade. Im Lexikon steht zum Wort Gnade: "eine wohlwollende, freiwillige Zuwendung." Man kann das Wort vom altindischen Wort "nat" herleiten, das so viel heißt wie: "um Hilfe bitten."
Einerseits ist diese Herleitung passend, weil wir immer um Gnade bitten können, aber letztlich wird uns die Gnade schon von Anfang an angeboten und wir müssen sie nur in Anspruch nehmen. Das heißt, wir müssen nicht bei Gottes Tür anklopfen und danach fragen, wohlmöglich noch verhandeln, sondern nur unsere eigene Tür aufmachen, nach draußen gehen und erleben, was Gott in dieser Welt an Gnade für uns bereit hält. Dann können wir sie für uns in Anspruch nehmen. Für diese spannende und lebensverändernde Sache, die Gnade genannt wird, können wir nichts tun.
Die zwei Verse in Römer drei beschreiben das Wesen und die Folgen der Gnade ziemlich genau.
Der Abschnitt lässt sich in drei Teile aufteilen:
- Unser Zustand (Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten)
- Gott handelt (Und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade)
- Der Grund dafür (Durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist)
1. Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten (Unser Zustand)
Was bedeutet dieser Satz für uns? Sünde bedeutet Zielverfehlung, Trennung von Gott. Diese besteht dadurch, dass jeder Mensch als eben solch ein Sünder geboren wird und außerdem durch das, was wir sagen, denken und tun. Aufgrund dieser Tatsache fehlt uns das Ansehen Gottes, was wir eigentlich haben sollten. Diese Aussage würden die meisten so erst einmal direkt unterschreiben. Durch das was wir sind und was wir tun, sind wir Sünder und können vor Gott nicht bestehen.
Aber wo kommt die Sünde eigentlich her?
Da müssen wir wortwörtlich zu Adam und Eva zurückgehen. Seit Adam und Eva ist jeder Mensch vorbelastet, weil jeder mit einem Ballast der Schuld ins Leben geht, ohne etwas dafür oder dagegen getan zu haben. Seitdem ist jeder Mensch schon von Geburt an ein Sünder und wird in seinem Leben weiter sündigen (1. Korinther 15, 21-22). Ein Prediger fand einmal ein sehr eindrückliches Bild dafür, dass wir seit Geburt an Sünder sind: Er erzählte, von seiner sehr süßen Tochter, die ca. ein Jahr alt war. Nachdem er weiter ausführte, was sie schon alles Tolles machen konnte, sagte er: "trotzdem ist sie ein Eiterpickel auf Gottes Gesicht", wenn das möglich wäre. Obwohl seine Tochter im moralischen Sinne noch keine Sünde begangen hat und komplett unschuldig wirkt, ist sie trotzdem eine Sünderin. Weil wir das alle sind. Und zwar von Geburt an. Nur Jesus kann das ändern.
Wir sind Sünder, von Geburt an, durch das was wir sind, denken, sagen und tun.
2. Und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade (Gott handelt)
Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse, die Luther im 16. Jahrhundert hatte, als er die Bibel übersetzte und sich intensiv mit ihr beschäftigte. Weil wir Sünder sind, können wir nicht vor Gott bestehen, auch nicht durch Taten, gute Werke, Geld oder anderes.
Dieser Teil war eine neu gewonnene Erkenntnis. Eine gigantische Sache, die so damals nicht verstanden wurde. Das verändert das ganze Christentum, den Christen und die ganze Welt. Nur Gott selbst kann uns Menschen annehmen und aus dem Schlamassel holen, in dem wir uns befinden. Das war unendlich wertvoll für Luther: Rechtfertigung geschieht aus Gnade allein ("sola gratia"). Wir, als Sünder, haben das unverdiente Geschenk der Gnade in keinster Weise verdient, können es aber einfach annehmen und uns daran freuen.
Auch wenn wir jeden Freitag in der Gemeinde mitarbeiten, beim abendlichen Gebet nicht einschlafen oder auf einer Freizeit drei Leute bekehren. Wir benötigen trotzdem Gottes Gnade, weil wir nur durch dieses Geschenk vor Gott bestehen können und durch sonst nichts.
3. Durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist (Der Grund dafür)
Wir werden gerechtfertigt durch Gnade, die es aber nur durch Jesus gibt, wie es in dem Vers steht. Allein das Jesus am Kreuz gestorben ist, gibt uns das Fundament der Gnade. Weil Jesus am Kreuz gelitten hat und einen Tod gestorben ist, der für uns Erlösung bedeutet, sind wir gerettet. Wir sind durch ihn erlöst, von allem Schlechten und Bösen. Ohne Jesus, seinen Tod und seine Auferstehung, hätten wir keine Chance auf Gnade. Indem wir mit Jesus leben und seinen Tod und seine Erlösung für uns beanspruchen, bekommen wir seine Schuldenfreiheit angerechnet, die er eigentlich hätte, aber aufgrund seines Todes, mit dem er alle Sünden der Welt auf sich nimmt, auf sie verzichtet. Wir dürfen unser "Schicksal" oder Leben mit ihm tauschen, indem wir sagen, dass er im Mittelpunkt unseres Lebens stehen soll und können aus der Gnade leben, die uns geschenkt wird.
Was bedeutet das für uns und unseren Alltag?
Gnade ist ein Phänomen, das wir uns täglich neu vergegenwärtigen dürfen.
Wir können Gott jeden Morgen neu dafür danken, dass er durch Jesu Tod jedem einzelnen ganz persönlich gnädig ist und sich das auch zusprechen lassen, durch z.B. Bibelverse oder in dem wir anderen einfach gnädig sind und so weitergeben können, was wir selbst bekommen haben.
Also nochmal zusammengefasst: Dadurch, dass wir nicht so leben können, wie Gott das gerne hätte sind wir Zielverfehler (Sünder). Wir können es auch nicht leisten, alles richtig zu machen, so zu leben, wie es Gott gefallen würde, aber trotzdem will er Gemeinschaft mit uns und ist uns gnädig. Er eröffnet uns die Möglichkeit zu ihm zu kommen, weil Jesus gestorben ist und uns schuldenfrei macht und erlöst.
Gnade!
Autor: Yannik Siebert





