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_Andacht des Monats Juni 2011: "Dagegen!" oder: "Alte Worte - Neue Worte"

Einstieg

Nimm eine Tube bunte Zahnpasta und lass einen SBKler die Tube auf ein großes A3-Blatt ausleeren. Lass ihn sich richtig ausleben! Wenn er möchte, kann er damit auch ein Männchen malen. Vielleicht entsteht auch etwas anderes Schönes. Wonach sieht es aus?

Wenn er fertig ist und alle das "Kunstwerk" bestaunt haben, fordere ihn auf, zunächst die "unschönen" Stellen wegzumachen und dann die Zahnpasta wieder zurück ihn die Tube zu bekommen ohne sie kaputt zu machen, da du das Blatt doch wieder weiß brauchst.

Ihr stellt fest: das geht nicht. Zumindest nicht, ohne Spuren zu hinterlassen.

Hinführung

Bildquelle: stock.xchng

Das Zahnpastaexperiment zeigt, dass Dinge die man tut oder sagt nicht ohne weiteres rückgängig gemacht werden können. Und wie oft haben wir das nicht schon selbst erlebt. Ganz schnell passiert das z.B. mit Wörtern.Ein fieser Kommentar gegen deinen Vordersitzer, ein dummer Spruch über den Lehrer, Ärger mit Geschwistern oder Eltern oder Streit mit der besten Freundin/ mit dem besten Freund.

Da fliegen die Worte nur so und manchmal würden wir sie danach gern zurücknehmen. Die Wörter, die verletzen und zerstören, kränken und mitnehmen. Aber das geht nicht. Selbst wenn wir es versuchen. Es ist eine Tatsache der Welt, dass getane Dinge Spuren hinterlassen. So wie auf unserem Bild. Manchmal ist dies gut, manchmal nicht.

Auch Gott weiß um dieses Problem und wir wollen mal sehen, wie er damit umgeht. Dazu schauen wir in die Geschichte von Esther.

Die Geschichte

Sie steht im Alten Testament. Dem Teil der Bibel, der Begebenheiten von Gott mit seinem Volk Israel erzählt. Esther war eine Frau aus diesem Volk. Und durch interessante Umstände ist sie zur Königin geworden. Das war zu einer Zeit, als die Israeliten von einem fremden König regiert wurden. Der hieß Ahasveros. Ahasveros hatte ein riesiges Reich und deshalb kümmerte er sich nicht selbst um alle Regierungsgeschäfte sondern hatte einen Verwalter, der quasi freie Hand hatte Gesetze und Geschäfte zu regeln. Der hieß Haman.

Dumm war nur, dass Haman ein persönliches Egoproblem hatte und sich für zu groß hielt. Und deshalb ein Gesetz erlies, dass sich alle vor ihm verbeugen und ihn verehren sollten. Ein Mann des jüdischen Volkes widersetzte sich dem. Und das ging mächtig gegen das Ego von Haman. Außerdem wollte er zeigen, dass er der mächtige ist, also erließ er ein neues Gesetz, dass alle Juden im Königreich an einem bestimmten Tag umgebracht werden sollten.

Wie krass. Diese Worte hatten Gewalt. Ein ganzes Volk soll ausgerottet werden, weil einer nicht das macht, was das Ego von Haman will. Und da Haman die Worte schriftlich erlassen hatte, waren sie wie vom König. Sie waren ausgesprochen, wie die Zahnpasta auf dem Papier.

Gute Idee

Esther war auch Jüdin. Und sie hatte eine Idee. Sie fragte den König, ob er das Gesetz rückgängig machen könnte (siehe Esther 8,5). Schließlich war er der König und so könnte er ja sagen, dass das Gesetz doch nicht so gelten soll, wie Haman es erlassen hatte.

Aber was sagt der König!? Er sagt (Esther 8,8b (Neues Leben)): "Bedenke aber, dass ein Dekret, das im Namen des Königs geschrieben und mit dem Ring des Königs besiegelt wurde, nicht wiederrufen werden kann."

Esther macht also im übertragenen Sinne die Zahnpastaerfahrung von vorhin. Das Gesagte kann nicht wiederrufen werden. So wie es nicht möglich ist die Zahnpasta wieder zurück in die Tube zu bekommen. Na damit ist dann wohl alles beschlossene Sache. Das Gesetz ist nicht mehr zu ändern. Alle Juden müssen sterben. Oder doch nicht?

Bessere Lösung

Doch nicht. Es gibt eine Lösung des Problems, die so typisch für Gott ist. In dieser Geschichte sagt es der König, aber es passt wunderbar zu dem, wie Gott sich verhält. Der König kann das alte Gesetz nicht aufheben, aber er kann neue Worte, d.h. ein neues Gesetz dagegensetzen.

(Esther 8,8a (Neues Leben)): Ein neues Dekret wird erlassen, in dem steht, dass sich die Juden verteidigen dürfen. Das Leid wurde nicht von ihnen abgewendet, aber Gott hat seinem Volk einen Weg gezeigt, damit umzugehen. Und jetzt kann Gott auch wieder aktiv handeln und mit dem neuen Gesetz sein Volk zum Sieg führen (was er dann auch macht).

Und das ist so typisch für Gott. Wenn ihr die Bibel im Alten und Neuen Testament durchblättert, seht ihr, dass das Leiden meist nicht einfach weggenommen wird, sondern ihm wird eine Lösung von Gott entgegengesetzt, in der ER wieder handeln kann.

Das eindrücklichste Beispiel und für unseren Glauben am relevantesten ist Jesus selbst. Jesus kam nicht um das Gesetz aufzulösen, sondern um es zu erfüllen. Die Trennung zwischen Gott und uns besteht. Gott könnte diese Trennung auflösen, aber er setzt Jesus dagegen bzw. dafür ein um das Problem zu lösen und ist somit wieder Herrscher über die Situation.

Zum Merken

Kommen wir zurück zum Anfang, zu unserer Zahnpasta und unseren Worten, die oft nicht mehr rückgängig gemacht werden können, auch wenn wir es gern wollten.

Es ist eine Tatsache, dass Worte und Taten Spuren hinterlassen. Und auch wenn wir mit Jesus unterwegs sind, ist das so. Das Gute ist, Gott lässt uns mit diesen verletzenden Worten nicht allein. Er hilft uns neue Worte zu finden, die wir entgegen setzen können. Damit sind sie nicht weggewischt, aber sie bekommen ein anderes Gewicht.

Damit das geschehen kann, müssen wir Gott allerdings unsere Anliegen vortragen und ihn um Hilfe bitten, so wie Esther den König um Hilfe gebeten hat.

Mögliches Gebet

Möglicherweise im Stillen (da es ein sehr persönliches Thema ist) für Worte/Taten, bei denen wir Vergebung brauchen und um neue Worte, die Heilung schenken.

Autorin: Sabina-Maria Laug