_Andacht des Monats März 2010: Jesus sehen
Zielgedanke
Diese Andacht soll herausfordern, (neu) Jesus zu suchen und nicht nur das, was er gibt oder das, was wir uns von ihm wünschen.
Bibeltext
"Wir möchten gern Jesus sehen (kennen lernen)." Joh.12,21
Mk.10,17ff
(Hinweis: die vielen Bibelstellen im Text (Angaben in Klammern) können beim Halten der Andacht getrost weggelassen werden. Sie dienen nur dazu, nachschlagen zu können, wenn jemand mehr über die Stories wissen will.)
Hauptteil
In diesem Vers (Joh 12,21) sind es einige Leute nichtjüdischer Herkunft (Griechen), die gerne Jesus sehen wollen. Es musste etwas Besonderes an ihm gewesen sein, denn dies ist nicht die einzige Stelle in der Bibel in der die Leute zu Jesus kommen. Es sind viele, die ihn sehen wollten. Z.B. Simeon, ein alter Mann, der Jesus kurz nach seiner Geburt auf den Arm nehmen durfte und sprach: "Herr, nun kann dein Diener in Frieden sterben, denn du hast deine Zusage erfüllt. Mit eigenen Augen habe ich das Heil gesehen." (Lk.2,29f)
Zachäus, ein Zolleintreiber und Gauner, klein von Statur, brannte so sehr darauf, Jesus zu sehen, dass er auf einen Baum stieg, um über die anderen Leute hinweg zu sehen. (Lk.19,1-10) Für die damalige Zeit für einen Mann, der etwas gelten wollte, eine peinliche Sache auf einen Baum zu klettern... schon irgendwie kindisch.
Alle drei wollten Jesus sehen. Doch schauen wir uns noch eine andere Begegnung an.
Die Bibel berichtet auch von einem reichen, jungen Mann, der zu Jesus kam und fragte: "Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?" (Mk.10,17) Gute Frage, oder? Unsere Fragen, wenn wir uns an Jesus wenden, sind doch oft viel "unfrommer" und egoistischer: "Jesus, kannst du mir zu 'ner guten Note in Mathe verhelfen?"; "Ach, Herr, ich brauch' Freunde."; "Jesus, was soll ich tun, damit du mein Gebet erhörst?"
Die Frage des reichen Herrn ging über diese alltäglichen "Kleinigkeiten" hinaus. Er wollte ewiges Leben "erben". Doch wie wurde man zum Erben? Wie musste man als Erbe beschaffen sein? Was musste man dafür tun? Hinter dieser Frage stand eine bestimmte Motivation. Der reiche Herr wollte auch nach dem Tod noch "reich" zu sein - natürlich bei Gott. Ihm war klar, dass es da nicht um Geld ging, aber er wollte reich sein, dabei sein, wenn das ewige Leben "verteilt" wurde. Eine wichtige Frage an der sich Leute, die sich gar keine Gedanken um das Leben nach dem Tod machen, eine Scheibe abschneiden könnten.
Doch in all seinem Suchen, Bemühen und Fragen drehte er sich immer noch um sich selbst. Er wollte ewiges Leben - aber für sich. Er suchte das Leben mehr als den Lebensgeber.
Wie ist es bei dir? Suchst du mehr die Gebetserhörung als den, der das Gebet erhören kann? Geht es dir mehr darum, dass Jesus deine Lebensqualität erhöht, als dass er selbst dein Leben ist?
Die Griechen, Simeon, Zachäus - sie alle wollten Jesus sehen und nichts von ihm bekommen.
Vielleicht sieht es bei dir so aus, dass Jesus nur zum Stimmungsaufheller erklärt wird. Er ist dafür zuständig, dass es dir gut geht, du dich wohl fühlst. Beim Lobpreis geht es uns oft darum, eigene Erfahrungen zu machen, anstatt IHM zu singen, sich an IHM zu freuen, IHM dankbar zu sein, auch wenn man grad gar nichts fühlt oder es einem gar nicht gut geht.
Wir rutschen da so schnell rein. Selbst, wenn es darum geht, die "Nähe Jesu" zu suchen, wie man das so schön sagt, suchen wir oft das Gefühl der Nähe oder Geborgenheit, aber nicht ihn selbst.
Wir wollen uns von ihm geliebt wissen, doch dabei geht es uns fast mehr darum, geliebt zu werden, als dass die Liebe von ihm kommt. Wir wollen wissen, wie er zu uns steht, ob er treu ist, ob er für uns ist, aber es geht uns kaum um Ihn selbst, den großen Liebhaber. Liebe? - ja. Von wem? - ist mir eigentlich egal.
Liebe ist etwas Tolles, aber es darf uns nicht um sie an sich gehen, dann wird alles falsch. Such nicht nach Liebe. Such nicht nach den Auswirkungen der Liebe (innere Freude, Ruhe, Zufriedenheit,...) Such Jesus! Allein. Ohne, dass etwas für dich dabei herausspringen muss - eine bessere Stimmung, ein Gefühl der Geborgenheit, eine krasse Erfahrung, eine Gebetserhörung. Jesus allein! Wollen wir Jesus sehen?
Sei wie die Hirten in der Weihnachtsgeschichte, die nicht beim Lobpreis der Engel stehen geblieben sind, fasziniert von der himmlischen Erscheinung! Hey, da ist wirklich was passiert! Ein Wunder - eine krasse Gotteserfahrung. Nein, sie sagten: "Lasst uns nach Bethlehem gehen und die Geschichte sehen..." (Lk.2,15). Sie verließen den Ort des gigantischen Spektakels, der großen leuchtenden Engelshow, um zu einem kalten, dunklen Stall zu gehen - um IHN zu sehen. Such nicht die große Erfahrung, sondern Jesus.
Lass dich von den ersten Jüngern ermuntern, nicht nur danach zu fragen, wie man richtig lebt oder was die besten Antworten auf intellektuelle knifflige Fragen sind wie andere Menschen es taten (vgl. z.B. die vielen Fragen an Jesus Mt.22,15-46). Sondern lebe mit ihm zusammen. Verbring Zeit mit ihm. Sei mit ihm unterwegs. Such nicht (nur) den top Rat für dein Leben, sondern Jesus, den Ratgeber selbst.
Wir haben es hier mit einer Person zu tun: Jesus. Es geht nicht in erster Linie darum, irgendetwas von ihm zu bekommen, sondern ihm selbst zu begegnen, ja Gemeinschaft mit ihm zu haben. Das Beste am Christsein ist Jesus.
Fang an, dich mit Jesus zu verabreden! - Dates, bei denen ihr über das redet, was euch gerade beschäftigt, du Zeit mit ihm verbringst, Seine Gegenwart genießt und wo es nur um Jesus und dich geht, ohne dass etwas dabei herauskommen muss. Und du wirst merken: das ist Leben.
Vielleicht ist dir grade etwas aufgegangen, wie deine Perspektive etwas verrutscht war. Dann bleib nicht dabei stehen und freu dich über diese neue Erkenntnis. Denn dann ist noch nichts erreicht. Such ihn! Nutz die Chance, eine Audienz beim König dieser Welt zu bekommen. Freu dich nicht nur an der Möglichkeit - nutze sie! Jetzt.
"Ich will Jesus sehen".
Johannes Gerhardt





