_Andacht des Monats Mai und Juni 2010: Gnade vor Recht - ein göttliches Prinzip
Zielgedanke
Alles was wir in diesem Leben haben und genießen, ist ein Geschenk. Ist uns das bewusst? Und verändert das unser Verhalten gegenüber Anderen?
Einstieg
[als Mini-Sketche oder erzählt]
Schon wieder hat Sophie die Hausaufgaben vergessen und ihr Lehrer bestellt sie zum Nachsitzen. Am nächsten Tag bringt sie alle Aufgaben und verspricht Besserung und sie darf wie alle anderen bei Schulschluss nach Hause gehen. "Unfair" beschwert sich Kai, ein Mitschüler von Sophie.
Da Philip immer zu spät kommt, sagt ihm sein Trainer, dass er beim nächsten Spiel nur zusehen darf und nicht mitspielen. Die nächsten Wochen kommt er immer sehr pünktlich zum Training und steht am folgenden Spieltag wieder auf dem Platz. "Unfair" findet Simon, ein Mitspieler von Philip.
Karin war schon die letzten Tage abends viel zu lange noch mit Freundinnen unterwegs und die Eltern drohen mit Hausarrest. Doch nach einem entspannten Wochenende ist das auf einmal kein Thema mehr. "Unfair!" urteilt Theresa, Karins Schwester.
Kommen uns solche Situationen nicht bekannt vor?
Können wir das Urteil der Außenstehenden nicht auch gut nachvollziehen? Es muss doch Konsequenzen geben!
Gnade vor Recht - ein göttliches Prinzip
Dieser Meinung war auch Jona als Gott entgegen seiner Ankündigung entschied, die Stadt Ninive zu verschonen weil die Bewohner bereit waren, sich zu ändern. Und er machte aus seiner Wut auch keinen Hehl und beschwerte sich stocksauer bei Gott: "Ich wusste, dass du ein gnädiger und barmherziger Gott bist, dass du geduldig und voller Gnade bist, weil du das Unheil bedauerst." (Jon.4,2) - und so ist unser Gott wirklich:
Gnade vor Recht - als er Kain beschützte obwohl er seinen Bruder Abel erschlagen hatte
Gnade vor Recht - als er seinem Volk in der Wüste immer wieder ihren Aufstand vergab
Gnade vor Recht - als Jesus dem Verbrecher neben ihm am Kreuz das Paradies versprach
Gnade vor Recht - wenn Gott uns trotz unsres Versagens als geliebte Kinder annimmt
Gnade vor Recht - als er Jona trotz seines Zorn einen Baum wachsen ließ, der ihm Schatten schenkte und seinen Zorn linderte.
maßlose Reaktion
...und dann lässt Gott diesen Baum wieder verdorren und Jona platzt der Kragen: "Ich wollte lieber tot sein als leben." wettert er und tobt vor Zorn - und das alles nur wegen eines Baumes, der innerhalb von zwei Tagen gewachsen und wieder verdorrt war. Total übertrieben, oder nicht? aber Stopp, kennen wir das nicht auch?
Wut, weil es regnet, obwohl wir schwimmen gehen wollten.
Wut, weil es einmal nicht perfekt mit dem geplanten Terminen hinhaut.
Wut, weil der Busfahrer ohne uns fährt obwohl er sonst so häufig noch wartet wenn wir zu spät sind
Wut, weil es anderen immer so viel besser zu gehen scheint
Und Gott? Der hört sich die Vorwürfe an und stellt eine schlichte Gegenfrage, die auch uns heute noch gilt: "Ist es richtig von dir [...] so zornig zu sein?" (Jon.4,9)
Autorin: Dorothee Soldan





