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_Andacht des Monats November 2009: Psst! - Kannst du nicht mal still sein?

Zielgedanke

Kleine Steine - große Kreise.
Was Nichtstun doch für eine Wirkung haben kann.

Einstieg

Stille, das ist doch was für weltabgewandte Mönche in irgendeinem Kloster, das ist was für Meditationsfans, die sich mit Räucherkerze und in Yoga-Haltung ins dunkle Zimmer setzen, aber das ist doch nichts für uns.

Was wirklich zählt, ist doch das pulsierende Leben. Was wirklich zählt, ist, dass man sich zu Wort melden kann, dass man mitreden kann, dass man aktiv ist, dass das Leben spannend und abwechslungsreich ist. Was soll da öde "Stille"?

In uns ruht eine Sehnsucht nach Stille und zugleich auch eine Angst vor ihr. Vielen Menschen geht es so. Heute kennt jeder einen Mitmenschen, bei dem ständig der Fernseher oder das Radio läuft - ganz gleich, was er sonst noch so tut. Ist er unterwegs, geht der Mp3-Player mit auf die Reise, und, wenn er dann doch mal Ferien hat, dann ist auch Programm angesagt. Bloß nicht zur Ruhe kommen, bloß nicht still werden, denn dann könnten Fragen auftauchen, die ich bisher erfolgreich verdrängen konnte.

Zur Sache

Gott hat sich das für unser Leben anders gedacht.
Jetzt nicht gleich extrem in die andere Richtung denken; Gott hat uns vielfältig und begabt geschaffen, er mag uns sicher nicht für immer von Musik und Flimmerkiste fernhalten.
Aber die Mischung macht' s. Die Stille soll der Ort sein, an dem er uns begegnen will, an dem wir mit Ihm Zeit verbringen können. Man kann Gott nicht verstehen, ohne dass es im Leben Räume der Stille gibt! Wir brauchen diese Stille, um Ihm gegenübertreten zu können.

Ein kleines Bild, um das zu verdeutlichen:
Es ist wie bei einem See. Wenn der Wind ihn aufwühlt, kann ich Steine hineinwerfen, ohne das ich irgendeine Spur von ihnen sehe; Im Spiel der Wellen und der Oberfläche, die ständig in Bewegung ist, sind die Wellen die ein Stein oder gar eine halber Steinstrand verursacht, überhaupt nicht auszumachen. Selbst ein Pflasterstein entlockt dem See nur ein leises "Plopp".
Doch wenn der See still ist, wenn die Oberfläche glatt ist, dann löst der kleinste Stein riesige Kreise sichtbar aus.

Wie oft ist mein Leben wie ein unruhiger See. Wie oft brodelt und quirlt es um mich herum? In diesen Phasen gebe ich Gott keine Chance. Er kann die Oberfläche so oft berühren wie er will. Mein(e) See(le) wird davon nicht beeinflusst.
Wer weiß, wie viele Versuche Gott schon unternommen hat, und wir haben es nicht bemerkt. Wir brauchen Zeiten in unserem Leben, in denen unsere Seele zur Ruhe kommt und ein See mit ruhiger, glatter Oberfläche wird.

Gott ist eben auch ein Gott der leisen Töne. Vom Propheten Elia wird berichtet, dass Gott an ihm vorbeizog, als er in einer Felsspalte saß und sich vor der ganzen Welt versteckte. Er hatte mit dem Leben schon abgeschlossen, nachdem er sich einen großen Auftritt geleistet hatte. Und nun sitzt Elia da und wartet auf Gott. Zuerst kam ein Donner, aber Gott war nicht im Donner. Und dann kam ein Feuer, aber Gott war nicht im Feuer. Dann kam ein Brausen, aber Gott war auch nicht im Brausen. Zuletzt kam ein sanfter leiser Windhauch, ein Säuseln - und Gott war genau darin.
(siehe 1. Könige 11,11-13).

Wer nicht still sein kann, hat also den Draht zu Gott verloren?
Mitnichten. Es gibt ab und zu wohl zu viel Wind in unserem Leben. Zu viel heiße Luft, zu viel laute Ablenkung.

Was hilft? Was kann uns ein Anker sein in dieser Welt? Was tat Elia, als er da auf Gott wartete?
Es mag erschreckend klingen und wer es nicht glauben mag, der lese nach; aber, Elia tat nichts.
Und wieder helfend, damit es nicht gleich in die extreme Richtung geht: Glaube ist nicht nur "Nichts tun" - Glaube ist Wissen, dass Gott schon alles für uns getan hat.

Still sein reicht. Ihm begegnen zu wollen, genügt.
Denn er lässt uns sagen, dass er uns bedingungslos liebt.

Gott wird für uns streiten und wir werden still sein.
(2. Mose 14, 14)

Autor: Konstantin Stiehler