_Andacht des Monats September 2008: Josef einmal anders
Zielgedanke
Mit Gott den Alltag wagen – jeden Tag neu mit ihm beginnen und mit Ihm Geschichte schreiben.
Die Geschichte
Viele kennen sicher die Geschichte um Josef, den Sohn Jakobs; alle Freunde des Details können sie in 1. Mose 37-47 nachlesen.
Josef war durch tiefe Täler seines Lebens gegangen und nun, von einem Tag zum anderen, einer der mächtigsten Menschen der Erde. Ein ganz schöner Aufstieg. Eine Karriere, die neidisch macht.
Wo und vor allem wie fing es an? Vaters Liebling – Besserwisser – Grube – Verkauf an Menschenhändler. Von den eigenen Brüdern an fremde Leute als Sklave verkauft – grauenvoll.
Es geht stürmisch weiter: Erst ein neuer Beruf der Respekt schafft, dann wird er in Versuchung geführt, bleibt standhaft und findet sich doch im Gefängnis wieder. Weder geregelte Mahlzeiten noch ein sauberes Fleckchen, wo er schlafen kann. Nein – nackter Boden, zwischen Stroh und menschlichen Ausscheidungen. Des Nachts Besuch von Ratten und Spinnen, tagsüber quälender Hunger und ständig den Hauch des Todes im Nacken.
Der Weg nach Oben
Doch auch aus diesem Loch kam er heraus – wurde zum Gehilfen des Aufsehers. Er schlägt sich so durch und als der Pharao nach einem Traumdeuter ruft, ist er zu Stelle. Noch besser, er wird zum zweiten Mann im Staate. Jetzt konnte er schalten und walten und das machte er gut.
So gut, dass es sich etliche hundert Kilometer um Ägypten herum sprach, dass es im Land am Nil immer was zu Essen gibt. Selbst als alle Völker im Nahen Osten nichts mehr zu beißen hatten.
Das erste Wiedersehen
Und weil alle Ausländer zu Josef kommen mussten, standen auch seine 10 Brüder eines Tages vor ihm. Da knieten sie nun und baten um Getreide – und er erkannte sie sofort.
Was für ein Schlag in die Magengrube muss dieses Wiedererkennen gewesen sein? Hat er sie vermisst, hat er sie gehasst? Hat er des Nachts wach gelegen und Rache geschworen?
Dann hätte er aber nicht solch gewaltige Leistungen bei Potiphar, im Gefängnis und im Land Ägypten vollbringen können. Er muss die Sache wohl noch aus einer anderen Perspektive gesehen haben und diese Perspektive wird nun sichtbar.
Im 42 Kapitel in Vers 9 steht „Und Josef erinnerte sich an seine Träume von damals.“. Er erinnert sich daran, wie Gott ihm sagt, dass sich seine Brüder eines Tages vor ihm verneigen werden.
Es traf genau so ein – aber völlig anders als er damals dachte. Es war Gottes Wille, dass er jetzt über seinen Brüdern stand. Er hasst sie nicht und verachtet sie nicht. Es war sein Weg mit Gott, der ihn nach Ägypten und vom Gefängnis in den Palast des Pharaos führte.
Die Reaktion
Und dann wirft er sie doch in den Kerker. Einmal wohl, um selbst Zeit zu gewinnen.
20 Jahre seines Lebens.
20 Jahre ohne seine Familie.
20 Jahre ohne Heimat.
20 Jahre kann man nicht in 5 Minuten einfach auf den Kopf stellen, den Brüdern um den Hals fallen und Friede, Freude, Eierkuchen.
Dafür ist einfach zu viel passiert und er braucht Zeit das zu verdauen.
Was folgt, sind harte Proben auf die Josef seine Brüder stellt. Doch als sich alles zuspitzt und seine Familie ihn um Vergebung bittet, lässt Josef den Vorhang fallen.
Der Sinn dahinter
Da ist er wieder, dieser Punkt. Der Punkt, der in so vielen biblischen Gleichnissen, Erlebnissen und Geschichten auftaucht. Bis zu diesem Punkt ist alles ganz normal und erklärlich, aber plötzlich, von einer Sekunde auf die andere, wird es völlig verrückt.
Das ist der Punkt, wo Gott ins Spiel kommt. Wir sehen das beim Gleichnis vom verlorenen Sohn, wo sich jeder wohl dachte, hoffentlich haut der Vater dem missratenen Müllfresser jetzt die Mistgabel um die Ohren und plötzlich rennt der Vater zum Sohn und umarmt ihn. Immer, wenn Gott seine Finger im Spiel hat, wird das Ergebnis unvorhersehbar, unvorstellbar, absolut unwahrscheinlich und unheimlich gut.
Auch hier. Statt sämtliche Brüder einen Kopf kürzer zu machen, sagt er etwas Überraschendes. Jetzt löst er das große Rätsel seines Lebens auf. Er ist verkauft worden, weil das der einzige Weg war die ganze Familie zu retten, damit alle überleben. Welch grandioser Weitblick, welch wunderbare Erkenntnis eines Mannes, der das alles erlebt hat.
Aber noch eine andere Sache wird in diesem Text sehr deutlich. Gott ist groß. Er plant nicht nur für 20 Minuten oder 20 Tage im Voraus. Er hat auch schon mal 20 Jahre eines Lebens in der Vorplanung. Das heißt nun aber keineswegs, dass Josefs Weg völlig festgelegt war. Doch Gott kommt trotzdem ans Ziel. Das ist die große Botschaft aus Josefs Leben. Egal was auch passiert.
Dein Fazit
Egal, wer Dich übers Ohr haut oder Dich verrät – Gott kommt auch in Deinem Leben ans Ziel. Egal wie oft Du hinfällst und wieder aufstehst. Egal wie tief du sinkst und wann du wieder nach oben kommst. Gott kommt zu seinem Ziel.
Vorausgesetzt du willst das. Vorausgesetzt, du lässt dich darauf ein.
Josef hätte sicher auch noch Anderes erleben können, wenn er mit der Frau seines Chefs ins Bett gestiegen wäre oder wenn er sich im Gefängnis gedacht hätte, „Jetzt ist es eh alles aus.“. Dann hätte er sich gehen lassen, wäre irgendwann irgendwo irgendwie gestorben.
Doch wer sich zu Gott hält, der darf auch wissen, dass Gott mit ihm sein Ziel erreicht. Und es gibt in jedem Leben Zeiten, wo es weh tut. Es gibt in meinem Leben Dinge, die weh tun, verletzen, unter denen ich leide – und die gibt es auch bei Dir. Doch was auch immer passiert, es ändert nichts daran, dass Gott einen Plan mit Dir hat und mit Dir das Ziel erreichen möchte. Und vielleicht gehört ja gerade das Schwere zu den Dingen, die Gott benutzt, um auch deinem Leben zum Sieg zu verhelfen.
Autor: Konstantin Stiehler





