_Einheit - oder: "Zwietracht Krankfurt versinkt im Chaos"

- Quelle: www.sxc.hu
„Siehe, wie fein und wie lieblich ist’s, wenn Brüder in Einheit zusammen sind...” – ein alter Jugendkreisschlager, der sich etwas männerlastig anhört, mit Sicherheit aber die Schwestern einschließt und eigentlich eine Vertonung von Ps 133,1 ist.
Es geht in ihm, wie unschwer zu hören ist, um Einheit. Einheit – eine große Sache – und deshalb wird sie mit ihren ganzen Wortstammgenossen (Eintracht, Einmütigkeit, Einigkeit, Einigung, eins sein...) gerne benutzt und häufig beschworen:
An der „Deutschen Einheit” kommt man in Geschichte fast nicht vorbei. Gleiches gilt für „Einigkeit und Recht und Freiheit”. „Eintracht Frankfurt” (s.o.) und „Manchester United” (die englische Variante) sind vor allem den Fußballgebildeten ein Begriff.
Die „Dreieinigkeit” ist für unseren Verstand eine ziemlich „harte Nuss”, mit der man sich z.B. im Reli- oder Konfirmandenunterricht auseinander setzen darf, aber auch in Biologie, in Mathematik, oder beim Militär und selbst beim Telefonieren kommt die „Einheit” vor.
Bei so vielen verschiedenen Bedeutungen und Bereichen, in denen es um Einheit geht, ist es fast schon nahe liegend, dass das mit der Einheit (und ihren Wortstammgenossen) nicht immer so ganz einfach ist.
Während ich diesen Artikel schreibe, befindet sich in der Fußball-Bundesliga Eintracht Frankfurt mal wieder kurz vor dem Abstieg und in der Zeitung steht groß: „Zwietracht Krankfurt versinkt im Chaos - Fans proben nach der 2:5-Pleite in Freiburg den Aufstand.”

- Quelle: www.photocase.de
Dieses Wortspiel hört sich ganz witzig an, den Betroffenen ist aber mit Sicherheit nicht nach Spaß zumute. Wo die Eintracht bzw. Einheit gefährdet ist, da wird es manchmal ziemlich ungemütlich, und zwar nicht nur im Fußballverein, sondern auch unter Christen. – Leider!
Einheit - gar nicht so einfach
Aus den „Jesus-House”-Veranstaltungen 1998 ist in unserem Kirchenbezirk eine Jugendbewegung entstanden. Etwa 200 Jugendliche und junge Erwachsene aus den verschiedensten Kirchen, Gemeinschaften und Jugendarbeiten möchten hier miteinander ihren Glauben leben und auch noch andere Menschen zum Leben mit Jesus einladen: z.B. durch Jugendgottesdienste, Konzerte, Schulaktionen, Gebets- und Anbetungstreffen.
Das ist echt genial, was da abgeht, und wie sich hier junge Christen über die Grenzen von Kirchen und Gemeinden zusammentun und etwas bewegen. Diese Jugendbewegung hat natürlich auch ihre
Schwierigkeiten, und leider gehören zu den größten einige ältere Christen aus den verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften. Die tun sich nämlich nicht nur mit manchen neuen Formen schwer, sondern haben noch ein ganz anderes Problem: Sie kommen damit nicht zurecht, dass sich ihre Jugendlichen bei Aktionen im Kirchenbezirk engagieren, aber nicht alle Interessierten und Neubekehrten in ihrer Gemeinde, sondern eben auch in anderen Kreisen und Kirchen landen.
Plötzlich fallen ihnen an „den Anderen” theologische Unterschiede oder irgendwelche schwierigen Leute auf, und manche versuchen deshalb, ihre Jugendlichen aus dieser Bewegung „zurückzupfeifen”: Die sollen sich gefälligst in der eigenen Gemeinde engagieren!
Für die Jugendlichen sind diese Grabenkämpfe schwer zu verstehen. Warum kommen manche mit Nichtchristen besser aus als mit den Christen aus einer anderen Kirche? Eigentlich ist doch das, was uns mit Christen aus anderen Gemeinden verbindet – der Glaube und die Orientierung an Jesus – viel mehr und tiefer als das, was Christen mit Nichtchristen gemeinsam haben!
Auf einer Schülerfreizeit haben wir miteinander Johannes 17, das so genannte „Hohepriesterliche Gebet” gelesen. In diesem Gebet bittet Jesus seinen Vater innerhalb weniger Sätze viermal darum, dass der seinen Nachfolgern helfen soll, „eins zu sein, so wie er mit seinem Vater auch eins ist.” – Das ist den Freizeitteilnehmern sofort aufgefallen. Viele haben dann von ihren Gemeinden erzählt, in denen Streitereien und Uneinigkeit herrschen, oder auch dass sie selber immer wieder erleben, wie Gemeinden und Gruppierungen sich voneinander abgrenzen und fast schon bekämpfen...
Einheit - schon immer ein Problem
Die Sache mit der Einheit ist nicht erst in den letzten Jahren zu einem Problem unter Christen geworden, sondern das fing – leider! – schon ziemlich früh an. Solange Jesus mit seinen Jüngern sichtbar zusammenlebte, waren sie sich noch halbwegs einig. Unterschiede in speziellen theologischen Fragen gab es noch nicht, aber die Frage der Rangfolge unter den Jüngern war für sie offensichtlich ein größeres Problem.
Kurz vor Gethsemane, bei ihrem letzten gemeinsamen Abendessen mit Jesus, haben die Jünger dann nichts Besseres gewusst, als darüber einen Streit vom Zaun zu brechen.
=> Zum Nachlesen: Lk 22,24-38
Jesu Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt und die Ausgießung des heiligen Geistes an Pfingsten hat zunächst einen tiefen Eindruck bei diesem streitbaren Jüngerhaufen hinterlassen. Die erste Gemeinde in Jerusalem, zu der am Anfang die elf verbliebenen Jünger bzw. Apostel dazugehörten, fällt gerade durch ihre Einheit und den vorbildlichen Umgang miteinander auf.
Viele spätere Christen haben die Verse 37-47 in Apostelgeschichte 2, in denen die Anfänge der so genannten “Urgemeinde” beschrieben werden, als Provokation und zum Teil auch als Übertreibung empfunden: Das kann doch nicht möglich sein, dass Christen so einmütig zusammenleben. Da hat dieser Lukas beim Aufschreiben wohl kräftig Schönmalerei betrieben!
Ich glaube das nicht, dass Lukas hier übertrieben hat, denn einige Kapitel später schreibt er nämlich dann ganz offen über Konflikte, die in der Jerusalemer Gemeinde aufbrechen. Bei der ersten Auseinandersetzung in der Gemeinde scheint es um soziale Fragen zu gehen. Genau betrachtet steht aber auch wieder die Frage der (geistlichen) Rangordnung im Raum: Die „Urchristen” haben sehr schnell ein Sozialprogramm für die Ärmeren unter ihnen gestartet, aber leider wurde diese Sozialhilfe vor allem an die einheimischen Judenchristen ausbezahlt.
Die ausländischen Judenchristen, von denen es auch einige in der Gemeinde gab, gingen dabei ziemlich leer aus. Anscheinend waren sie die weniger „echten” Juden bzw. Judenchristen und damit weniger wert. Zum Glück hatten die Apostel dann aber eine gute Idee, wie sie dieses „theologische Ausländerproblem” in den Griff bekommen konnten, und es ist dann wieder Ruhe in die Gemeinde eingekehrt.
=> Zum Nachlesen: Apg 6,1-7
Schon wesentlich heftiger waren einige Jahre später die Auseinan-dersetzungen zwischen einigen Judenchristen und Paulus, dem ersten richtigen Heidenmissionar. Ihr Hauptthema war: Müssen bisherige Heiden erst mal Juden werden, bevor sie dann auch zu Christen werden können? Genauer: Müssen sich (männliche) Heiden, damit sie „richtige” Christen sind, auch (an der Vorhaut ihres Glieds) beschneiden lassen und die jüdischen Gebote einhalten, oder nicht? Viele der ersten Christen waren dafür, Paulus und einige wenige andere meinten, dass die jüdischen Gesetze für Christen keine Heilsbedeutung mehr hätten.
Diese Auseinandersetzung wirkt auf uns heute eher engstirnig und unverständlich. Für die ersten Christen, von denen viele im jüdischen Glauben groß geworden und davon stark geprägt waren, ging es hier um ihre bisherige Identität. Sie mussten gewaltig umdenken und bisherige Selbstverständlichkeiten und v.a. ihre geistlichen Traditionen aufgeben. Das fällt jedem Menschen schwer!
Dieser Streit um die Bedeutung des jüdischen Gesetzes wurde nie richtig beendet, auch wenn es einige offizielle Beschlüsse gab. Im Lauf der Jahrhunderte hat sich aber das Verständnis von Paulus mehr oder weniger durchgesetzt – sonst müssten wir Christen heute uns nämlich auch beschneiden lassen und uns ganz eng an die jüdischen Gesetze halten.
=> Zum Nachlesen: Apg 15; Gal 2-5
Die Uneinigkeit innerhalb von Gemeinden, wie wir sie bis heute erleben, hat leider die ersten christlichen Gemeinden sehr schnell erfasst. Das krasseste Beispiel dafür im NT ist die Gemeinde in Korinth.
Eigentlich war das eine tolle Gemeinde mit vielen verschiedenen Christen aus allen Gesellschaftsschichten. In dieser Gemeinde ist zunächst echt was passiert, sie ist gewachsen, war voll lebendig, und keine Geistesgabe hat gefehlt (vgl. 1. Kor 1,7). Paulus hat in der Phase der Gemeindegründung achtzehn Monate dort gewohnt, doch als er dann weiterzog, war es mit der Einheit schnell vorbei.
Innerhalb der Gemeinde haben sich verschiedene „Fan-Clubs” gebildet: Die einen standen auf Paulus, andere mehr auf den Reiseprediger Apollos und wieder andere hielten sich an Petrus. Als Paulus den ersten Brief an diese Korinther geschrieben hat, haben sie zwar noch das Abendmahl als Mahl der Einheit miteinander gefeiert, aber der Spaltpilz hatte sie schon kräftig befallen. Zum Teil haben sie richtig aufeinander herabgeschaut und gemeint, sie allein hätten die volle geistliche Erkenntnis, und die anderen wären eben etwas einfältig und ohne den richtigen theolo-gischen Durchblick.
Paulus hat diese geistliche Überheblichkeit und die daraus folgende Uneinigkeit der Korinther schwer zu schaffen gemacht und er konnte sie auch nicht völlig lösen. Aus einem Brief, den der römische Bischof Clemens etwa 40 Jahre nach dem 2. Korintherbrief von Paulus ge-schrieben hat, wissen wir, dass das mit den Streitereien und Spaltungen in Korinth noch ziemlich lange weiterging.
=> zum Nachlesen: 1. + 2. Kor
Einheit - von Jesus heiß erbeten
Bei so viel Uneinigkeit schon unter den ersten Christen müsste man eigentlich annehmen, dass das Wort „Einheit” und seine Wortstamm-genossen häufig im NT auftauchen. – Tun sie aber nicht! Man kann sie fast an zwei Händen aufzählen. Die Einheit unter den Christen wird zwar oft angemahnt, aber meistens eher umschrieben oder mit Bildern und Vergleichen eingefordert.
Auch Jesus hat nur an wenigen Stellen die Einheit seiner Nachfolger angesprochen – dann aber sehr pointiert! Am eindrücklichsten taucht das Thema bei Jesus in den Tagen und Stunden vor seinem Tod auf. In dem oben erwähnten Hohepriester-lichen Gebet bittet Jesus gleich viermal seinen Vater darum, dass seine Nachfolger es schaffen, untereinander eins zu sein (vgl. Joh 17,11.21.22.23).
Interessant an diesem Gebet ist, dass Jesus damals schon an uns Christen heute gedacht hat (vgl. Joh 17,20). Jesus ist die Einheit seiner Nachfolger zu allen Zeiten wichtig und darum bittet er seinen Vater so eindrücklich darum.
Und er hat damals schon gewusst, dass das mit der Einheit ein größeres Problem für seine Christen wird – immerhin hatte er ja auch drei Jahre lang entsprechende Erfahrungen mit seinem Jüngerhaufen gemacht...
Was mir an diesen „letzten Worten” Jesu auffällt: Sie sind keine Verhaltensregeln an seine Jünger, sondern ein Gebet zu seinem Vater! Jesus redet hier mit seinem Vater für seine Jünger. Er drückt sie ihm aufs Herz. Er bittet ihn, alles nur Mögliche zu tun, damit seine Nachfolger das mit der Einheit hinkriegen, dass sie „eins sind, so wie er mit seinem Vater auch eins ist.” Die Kraft für diese Einheit muss also gar nicht aus uns selbst kommen, sondern sie kommt von Gott. Wir selbst können gar keine Einheit aus uns „herausquetschen”! Das ist doch eine riesige Entlastung für uns! Nicht wir müssen krampfhaft für Einheit sorgen, sondern das ist Gottes Sorge, seit Jesus sie ihm aufs Herz gedrückt hat.
Gleichzeitig ist das aber auch eine große Herausforderung für uns alle: Jesus will diese Einheit, und deshalb können wir sie nicht einfach unter den Tisch fallen lassen. Wir sollen an der Einheit dran bleiben – in unseren Gemeinden, Jugend- und Schülerbibelkreisen und auch zwischen den Gemeinden und Kirchen. Jesus liegt alles an diesem „eins sein” seiner Nachfolger, denn genau in dieser Einheit leben auch er und sein Vater! Ich habe leider den Eindruck, dass viele Christen zwar viel von Jesus wissen und auch so zu leben versuchen, wie er es uns vorgelebt hat – mit einer Ausnahme: Die Einheit wird oft ausgeklammert. Oft herrscht in „frommen Kreisen” die Haltung vor: Wir schauen nicht nach dem, was uns mit anderen
Christen (in der eigenen und in anderen Gemeinden) verbindet, sondern wir schauen nach den Unterschieden. Unser Ziel ist nicht das „eins sein”, das Jesus sich wünscht, sondern wir müssen herauskriegen, ob die Anderen noch das Richtige glauben. Und wehe, sie tun es nicht! Dann grenzen wir uns von ihnen ab und weisen deutlich und ganz laut auf ihre falsche Stelle hin...
Diese Haltung ist Sünde! Und es ist schlimm, dass sich Christen zum Teil darin richtig suhlen und sich sogar noch damit brüsten, wenn sie bei anderen wieder einen Fehler gefunden haben. Dass sie selber den Fehler der Rechthaberei und der Überheblichkeit haben, kommt bei ihnen gar nicht in den Blick (vgl. Matth 7,3). Hier können wir nur hoffen und beten, dass Gott ihnen gnädig ist und ihnen liebevoll die Augen und das Herz dafür öffnet. Und: Wir müssen aufpassen, dass wir an dieser Stelle nicht selbst unter die Räder kommen. Die Einheit unter uns Christen können wir nicht einfach selbstgerecht von den Anderen einfordern. Sie ist zuerst eine Sache des Gebets. Das Beste ist deshalb, wenn wir Gott immer wieder an Jesu Bitte um diese Einheit unter uns Christen erinnern. Und wenn wir ihn bitten, sie uns zu schenken und uns dann auch dabei zu helfen, dass wir konsequent diese Einheit leben.
=> Zum Nachlesen: Joh 17
Einheit - von Paulus ins rechte Bild gebracht
Bei den Streitereien in der Korinther Gemeinde ist Paulus ein tolles Bild dafür eingefallen, wie das mit der Einheit unter den Christen funktionieren könnte. Er vergleicht die Gemeinschaft der Christen untereinander mit einem menschlichen Körper. Ein Körper ist normalerweise eine große lebendige Einheit, aber er besteht gleichzeitig aus vielen verschiedenen Einzelteilen und Gliedern.
Diese haben fast alle unterschiedliche Aufgaben und Funktionen. Jede dieser Funktionen ist für den ganzen Körper wichtig, und umgekehrt: Ohne den „Rest-Körper” funktionieren natürlich auch die einzelnen Glieder nicht. Alle gehören sie notwendig zum Körper dazu. Deshalb können einzelne Glieder nicht über andere bestimmen, sie für wertlos erklären oder gar vom Körper entfernen.
Genau wie so ein menschlicher Körper verhält sich das auch mit der Gemeinde. Sie ist ein unteilbarer Organismus, der aus vielen Teilen besteht und zusammen sozusagen den Leib Christi bildet: „Denn wir alle, Juden wie Griechen, Menschen im Sklavenstand wie Freie sind in der Taufe durch denselben Geist in den einen Leib, in Christus, eingegliedert und auch alle mit demselben Geist erfüllt worden” (1. Kor 12,13). Als Einzelne und in unserer Gemeinde sind wir mit allen anderen Christen, Gemeinden und Kirchen zusammen der Leib Christi. Der Heilige Geist verbindet uns da-bei. Paulus sagt hier genau dasselbe wie Jesus in seinem Abschiedsgebet: Nicht wir schaffen die Einheit, und wir bestimmen auch nicht, wer zum Leib Christi dazugehört und wer nicht, sondern das ist Gottes Sache bzw. eine Wirkung von Gottes Geist. Ihn sollen und müssen wir hier wirken lassen, sonst funktioniert das mit der Einheit nie! Er sorgt dafür, dass wir die „gleiche Blutgruppe” haben und ständig mit lebendigem und gutem Blut durchflossen werden.
Ich stelle mir das so ähnlich wie bei einer medizinischen Transplantation vor. Hier müssen die Ärzte ganz genau darauf achten, dass das neue Körperteil nicht wieder vom Körper abgestoßen, sondern angenommen wird. Körper und neues Körperteil müssen aufeinander abgestimmt sein. Das neue Glied oder Organ muss gut in den Körper eingepasst, richtig „angeschlossen”, durchblutet und am Stoffwechsel beteiligt sein.
Auch wir als neue Glieder am Leib Christi müssen zu diesem Leib passen und richtig durchblutet sein. Diese Abstimmung und Anpassung ist damals am Kreuz passiert. Durch sein unschuldiges Sterben für uns Sünder und seine Auferstehung hat Jesus aus uns „passende” Glieder für seinen Leib gemacht.
Es war Blut, das damals geflossen ist und auch noch jetzt uns Christen als seinen Leib durchfließt. Dieser „Lebenssaft” darf uns niemals ausgehen, und wir müssen gut darauf achten, dass wir als einzelne Glieder und auch als ganzer Leib immer richtig durchblutet sind, sonst fault da ganz schnell etwas ab und fängt an zu stinken...
Das Blut Jesu verbindet uns und die Kraft des Heiligen Geistes hält uns zusammen und schafft aus den ver-schiedensten Christen eine Einheit – und das sogar weltweit! Die Einheit unter uns Christen entsteht also nicht dadurch, dass wir alle einander ähnlich werden und uns als Glieder gleichen, sondern so wie bei einem Körper die Teile verschieden sind und unterschiedliche Funktionen haben, so ist das auch bei der weltweiten Gemeinde Jesu. Die einzelnen Gemeinden und Christen sind für sich gesehen verschieden. Das hat Gott so gewollt, und es ist deshalb mit Sicherheit nicht unsere Aufgabe, daran etwas zu ändern. Gott will diese Einheit in der Vielfalt! Das auszuhalten ist nicht immer ganz einfach, aber Gott hat sich uns Menschen nun mal unterschiedlich ausgedacht. Und was er sich dabei alles gedacht hat, darüber können wir ihn ja mal später im Himmel noch ausfragen...
=> Zum Nachlesen: 1. Kor 12; vgl. auch Joh 15: Das Bild von Jesus als dem Weinstock und uns als den Reben
Einheit – von jungen Christen eingeübt und vorgelebt
Am Anfang habe ich von einigen Schwierigkeiten erzählt, die junge Christen mit der Einheit erleben. Auch wenn das nicht so ganz einfach ist, gibt es trotzdem viele Gemeinden und Kirchen, wo Christen diese Einheit bewusst wollen, darum kämpfen und sie dann auch erleben. Oft erlebe ich das in Schülerbibelkreisen. Ich bin immer wieder neu darüber überrascht, mit welcher Selbstverständlichkeit Christen aus den verschiedensten Gemeinden und Kirchen sich hier treffen, miteinander beten, Bibel lesen und Aktionen durchführen. Gleich bei meinem ersten Besuch als Schülerreisesekretär bin ich auf dieses „Phänomen” gestoßen: Ein Mini-SBK in der schwäbischen Pampa bestand aus vier Jungs, und jeder kam aus einer anderen Gemeinde: Einer war evangelisch, einer katholisch, der dritte Baptist und der vierte Methodist. Diese Verschiedenheit war für die überhaupt kein Problem, und mich hat das mächtig beeindruckt.
Auch Schulleiter sind von dieser gelebten Einheit ihres SBKs oft sehr beeindruckt. Ein Rektor hatte sich darüber sogar schon ziemlich viele Gedanken gemacht. Ihm war aufgefallen, dass es für Kinder und Juendliche meistens ziemlich egal ist, welcher Konfession man angehört oder in welche Gemeinde man geht.
Die Unterschiede verstärken sich aber, wenn man älter wird, und viele Menschen fixieren sich dann auf ihre eigene Konfession. Deshalb ist der SBK eine große Chance, bereits von der Schulzeit an als verschiedene Christen zusammenzukommen und neben allen Unterschieden vor allem das Gemeinsame zu sehen. Kinder und Jugendliche können es so lernen, miteinander im Alltag den gemeinsamen Glauben an Gott zu leben. Und das prägt mit Sicherheit für das weitere Leben und den späteren Umgang mit anderen Christen.
Ich selbst bin froh, viele SBKs kennen gelernt zu haben, die ohne ständige Grundsatzdiskussion diese Einheit zu leben versuchen. Ich glaube inzwischen sogar, dass junge Christen an dieser Stelle nicht nur sensibler, sondern eben auch konsequenter als viele ältere Christen sind.
Natürlich ist das Miteinander im SBK nicht ganz vergleichbar mit dem Miteinander verschiedener Gemeinden und Kirchen. Aber ganz wichtig ist: Im SBK kann diese Einheit für später eingeübt werden. Und ich bin mir ganz sicher, dass sie dann auch leichter gelingt.
Ich stoße zumindest in der Jugendarbeit gerade immer öfter auf überzeugende ökumenische Ju-gendarbeits- und Missionsprojekte, bei denen über die Grenzen von Gemeinden und Kirchen hinweg Jugendliche sich engagieren, und v.a. die Initiative von ihnen selbst ausgeht.
Noch einmal zu den SBKs: Der SBK kann den einzelnen Christen in ihren Klassen dazu Mut machen, bewusst als Christen am „Arbeitsplatz Schule“ zu leben und durch einen konsequenten Lebensstil (WWJD) und gute Worte die Mitschüler zum Leben mit Jesus einzuladen. Genauso wichtig am SBK ist aber auch dieses „gemeinsame Leben“ trotz aller Unterschiede. Ich denke, dass SBKs hier sogar eine gewisse Vorbildrolle für andere Christen haben. Das Beten mit- und füreinander, das gemeinsame Bibellesen und immer wieder Aktionen am „Arbeitsplatz Schule“, das gibt es in dieser Regelmäßigkeit und Selbstverständlichkeit nur ganz selten bei älteren Christen an ihrem Arbeitsplatz oder auch zwischen verschiedenen Gemeinden. Da können sich manche ältere Christen noch eine dicke Scheibe davon abschneiden (und da gehöre ich leider auch immer noch dazu...).
Den SBK als gelebte Einheit sehe ich deshalb als einen guten „Aufhänger”, um dieses Thema auch in die verschiedenen Gemeinden, Kirchen und Jugendkreise hineinzutragen, aus denen die SBK-Teilnehmer kommen. Dort wird leider die Einheit von uns Christen bisher nur selten zum Thema gemacht. Insofern kann ein SBK auch hier eine wichtige Vorbild- bzw. Vorreiterfunktion für Gemeinden haben.
Die Einheit im SBK ist eine ganz wichtige und v. a. auch biblisch richtige Sache. Ich wünsche mir deshalb, dass diese Vorreiterrolle der SBKs und ihrer jungen Christen noch viel mehr von anderen Christen erkannt und unterstützt wird!
Zum Nachlesen: 1. Tim 3,6-16 – als noch junger Christ hatte Timotheus es auch nicht immer ganz leicht mit den älteren Christen...
Markus Ocker








