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Wissenschaft und Verantwortung

_Gottes Reich ernst nehmen – auch in Bezug auf Forschung und Technik

Wir leben in der Zeit des nahenden Reiches Gottes – diese Botschaft war von Beginn an zentraler Teil der Predigt Jesu (Mk 1,15). Bis heute bitten wir in jedem Vaterunser: „Dein Reich komme“ – Gott möge seinen Herrschaftsanspruch durchsetzen, wie im Himmel so auf Erden. Die Wirklichkeit des kommenden Gottesreichs verbindet dabei Geschichte und Heilsgeschichte. Sie betrifft nicht nur unsere geistliche Perspektive und unseren missionarischen Auftrag, sondern ebenso unser Engagement für eine gerechte Gesellschaftsordnung und die Bewahrung der Schöpfung.

In den Bereich des sich ausbreitenden Reiches Gottes fällt auch die Wissenschaft – wenn diese Sichtweise auch seltsam anmuten mag in einer Welt, in der die Wissenschaft als Inbegriff autonomen menschlichen Schaffens gilt und säkulare Erlösungserwartungen auf ihr ruhen. Dennoch: Den Reichtum von Natur und Kultur zu ergründen, Gesetzmäßigkeiten zu entdecken und kreativ zu nutzen – in christlicher Perspektive sind Wissenschaft und Technik zunächst Geschenk, Aspekt der besonderen Würde und Befähigung des Menschen. Und sie sind von der Entfremdung vom Schöpfer betroffen: Der Mensch kann Forschungsmethoden missbrauchen und zerstörerische Anwendungen hervorbringen – übrigens durchaus nicht nur aus böser Absicht.

Die rasanten Fortschritte heute gehen mit großen ethischen Herausforderungen einher. Momentan etwa im Bereich der Biologie – bekannte Schlagworte lauten: Klonen, Stammzellen, Gentransfer. Aber auch in vielen anderen Feldern sind zentrale Fragen schwer zu beantworten: Wie verhält sich wissenschaftliches Ethos – etwa Wahrheits- und Sorgfaltspflicht – zu Karrierezwängen? Wie gehen wir mit verheißungsvollen Projekten wie der Nanotechnologie um, deren ökologische und gesundheitliche Risiken schwer abzuschätzen sind? Wer oder was bestimmt überhaupt die Prioritäten – arbeiten die Wissenschaft an drängenden Menschheitsproblemen, oder lenken ökonomische und andere Interessen die Bemühungen?

Zwar haben auch Christen keine Patentantworten, und die angerissenen Fragen lassen sich auf wenigen Seiten unmöglich alle behandeln. Aber wir hoffen, dass diese transparent-Ausgabe doch einen Einstieg in die Thematik ermöglicht. Dass sie sensibilisiert und vielleicht Lust macht auf wissenschaftsethische Fragen. Damit „Dein Reich komme“ auch im Bezug auf Wissenschaft und Technik keine leeren Worte bleiben.

Ulrich Pontes

Thematische Artikel zum Download:

Download Unser Menschenbild ist gefragt Unser Menschenbild ist gefragt
_Prof. Dr. Herbert Haf über die Verantwortung, die Christen und besonders die SMD haben, wenn es um die Ethik in Wissenschaft und Technik geht (2_05_denken_Haf.pdf, 75.67 KB)

Download Wie sieht die Bibel den Menschen? Wie sieht die Bibel den Menschen?
_Aspekte einer biblischen Sicht des Menschen im Blick auf sein Tun in Wissenschaft und Technik - von Hermann Hafner (2_05_glauben_Hafner.pdf, 81.68 KB)

Download Ethik im Berufsalltag Ethik im Berufsalltag
_Ethische Fragen in der Forschung (2_05_erleben.pdf, 85.91 KB)

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