Pressemitteilung vom 21.03.2005
Christen: Kein pauschales Ja oder Nein zur Gentechnik
Fachtagung in Kassel sucht biblisch begründete Position in bioethischen Fragen
Kassel/Marburg. Eine pauschale Ablehnung der Gentechnik in Medizin und Landwirtschaft ist aus christlicher Sicht ebenso unangemessen wie ein allzu optimistischer, sorgloser Umgang damit. Dies war der Tenor einer Fachtagung zum Thema Biotechnologie, zu der die SMD (Studentenmission in Deutschland e. V. - Netzwerk von Christen in Schule, Hochschule und Beruf) vergangenes Wochenende in die CVJM-Tagungsstätte in Kassel eingeladen hatte. In Referaten und Diskussionen kamen die rund 50 Teilnehmer der Tagung - christliche Fachleute, Studierende und interessierte Laien - zu dem Schluss, dass es keine einfache, vorgefertigte christlich-ethische Antwort auf die vielfältigen Fragen der Bioethik gebe.
Immerhin bietet das Wissen der Christen um Gott als Schöpfer und personalen Ansprechpartner dem Konstanzer Chemiker Dr. Harald Binder zufolge einen wesentlichen Ansatzpunkt für alle bioethischen Debatten. Denn wissenschaftliche Sachkompetenz allein stelle keine ausreichende Grundlage für ethisch verantwortliche Entscheidungen dar - das machten manche Forscher in ihren eigenen Äußerungen deutlich. Und traditionelle ethische Orientierungen erwiesen sich angesichts der heutigen technischen Möglichkeiten oft als wenig hilfreich, sagte Binder. Wer beispielsweise argumentiere, Gen-Manipulation sei wider die Natur, mache es sich zu einfach: Die Natur selber arbeite damit. So veränderten etwa manche Bakterien das Erbgut von Pflanzenzellen zu ihrem Vorteil. "Der Mensch hat die Methoden der Biotechnologie gefunden, nicht erfunden", betonte Binder.
Der katholische Theologe, Bioethiker und Philosophieprofessor Peter Kunzmann vom Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften in München vertiefte in seinem Vortrag die Standortbestimmung des Menschen gegenüber dem Rest der Schöpfung. Als Geschöpf sei der Mensch gefallen, fehlbar und ganz auf Gott angewiesen. Als vernunftbegabtes Wesen und Ebenbild Gottes sei der Mensch andererseits "selbst pausenlos Schöpfer", zum Herrscher über Tier- und Pflanzenwelt berufen und zu verantwortlichem Handeln verpflichtet. In einem christlich verstandenen "Einverständnis mit der Schöpfung" zu leben, könne deshalb auch im Blick auf die Gentechnik nicht heißen, den Naturzustand zu idealisieren und Eingriffe in die Natur um jeden Preis zu vermeiden. Vielmehr sei sorgfältiges Abwägen zwischen ethischen Grundregeln nötig: Der Mensch müsse bei allen Fragen des technischen Fortschritts zwar soweit möglich auf Nummer sicher gehen und Schaden vermeiden, sei aber gleichzeitig auch in der Pflicht, Möglichkeiten zur Verbesserung der Zustände oder zur medizinischen Hilfeleistung nicht einfach ungenutzt zu lassen.
Fachgruppe Naturwissenschaftler: www.nawi.smd.org
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