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Pressemitteilung vom 07.11.2006

Der Markt ist zum Gott geworden

SMD-Studientagung suchte nach Ansätzen lebensdienlichen Wirtschaftens statt einer Vergötzung der Ökonomie

Marburg. Die Marktwirtschaft steht in der Gefahr, ein lebensfeindliches, totalitäres System zu werden, weil sie ihre eigenen Regeln absolut setzt und nicht mehr hinterfragt. Davor warnten übereinstimmend Wirtschaftsexperten aus Forschung und Praxis bei einer Studientagung der SMD-Fachgruppe Wirtschaft und Gesellschaft vom 3. bis 5. November 2006 in Hofgeismar bei Kassel. Die Tagung stand unter dem Thema "Lebensdienlich wirtschaften - Wider die Vergötzung der Ökonomie".

Der Unternehmensberater Johannes Czwalina, Basel, sieht bei vielen Führungskräften in der Wirtschaft eine tiefe Gläubigkeit gegenüber den Gesetzen des Marktes, die nicht mehr hinterfragt würden und denen eine sakrale Bedeutung gegeben werde. Dieser Glaube sei zu einer Art Ersatzreligion geworden. Weithin werde der Markt als etwas Lebendiges betrachtet, dem man sich zu unterwerfen habe. Unsere Zeit habe "leblose Mittel zu Lebewesen gemacht und statt dessen wirkliche Lebewesen zu willenlosen Erfüllungsgehilfen degradiert", meinte Czwalina. "Wo der Markt aber die Stelle der Verehrung Gottes einnimmt, da treten totalitäre Ideologien auf den Plan und bringen die Würde des Menschen zum Erliegen", so der Unternehmensberater. Inzwischen sei der Mensch für die Wirtschaft da, und nicht umgekehrt. Wirtschaftliche Tätige stünden in der Gefahr, sich von der "Freiheit des Marktes" ihre eigene Freiheit rauben zu lassen - "und das mit ihrem vollen Einverständnis".
Czwalina rief die Berufstätigen im Bereich der Wirtschaft auf, ihre ethische Freiheit nicht dem Diktat des Marktes zu opfern, denn "der personale Wert des Menschen ist größer als der Wert seines Nutzens".

Der Unternehmer Klaus-Dieter Trayser, Kassel, vertrat auf der Wirtschaftstagung die Ansicht, man müsse einen hohen Preis dafür zahlen, wenn man wirtschaftlichen Erfolg mit Gewinn-Maximierung gleichsetze. "Der Markt ist zum Gott geworden. Manager sind zunehmend bereit, dem Markt den höchsten Stellenwert einzuräumen," so Trayser wörtlich. "Wir dürfen arbeitende Menschen nicht wie Maschinen behandeln. Wie es den beteiligten Personen geht, was sie denken und glauben, das muss in einem Wirtschaftsunternehmen auch seinen Platz haben."

Der emeritierte Professor für Volkswirtschaftslehre Dr. Hermann Sautter, Göttingen, setzte sich dafür ein, "die Logik der Ökonomie vernünftig anzuwenden." Wirtschaftler hätten einen "großartigen Beruf", der ihnen die Möglichkeit gebe, "lebensdienlich zu handeln". Für Sautter wird die Wirtschaft lebensfeindlich, wenn sie sich selbst zum Vollzugsgehilfen vermeintlicher ökonomischer Sachzwänge mache: "Viele Sachzwänge reden wir uns nur ein und sehen nicht die existierenden Handlungsspielräume in der Marktwirtschaft." Sautter erkennt in unserer Gesellschaft "einen Sog zur Vergötzung der Wirtschaft" und nannte als Beispiele: "Wenn Größenwachstum das oberste wirtschaftliche Ziel wird, dem alles zu opfern ist. Oder wenn ökonomische Effizienzkriterien alles beherrschen. Oder wenn der Profit die dominierende Stellung bekommt." Sautter ist überzeugt, dass "eine konsequente Hinwendung zu Gott" einen Wirtschaftler fähig mache, "sich nicht um jeden Preis zu verkaufen und dabei seine ethischen Überzeugungen über Bord zu werfen".  

Veranstaltet wurde die Tagung von der Akademiker-SMD, einem Arbeitszweig der Studentenmission in Deutschland e. V. - Netzwerk von Christen in Schule, Hochschule und Beruf. Die Akademiker-SMD bietet Studientagungen für zehn Fachrichtungen an, sowie spezielle Seminare für Berufseinsteiger und für die Zeit nach der Berufstätigkeit.




Ansprechpartner für Medienvertreter:

Christian Enders
SMD-Öffentlichkeitsreferent

Fon 06421.9105-18
Fax 06421.9105-27
Mobil 0176.27106606
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