Pressemitteilung vom 10.05.2008
Schöpfung und Evolution keine Gegensätze
Christliche Naturwissenschaftler hinterfragen „Intelligent Design“
Der Glaube an Gott als den Schöpfer des Universums ist vereinbar mit der Annahme einer gemeinsamen evolutionären Abstammung aller Lebewesen. Welcher Mechanismus die Evolution vorantreibt, ist der wissenschaftlichen Forschung aber gegenwärtig unbekannt. Zu diesem Fazit kam die Fachgruppe „Naturwissenschaften“ der Akademiker-SMD auf ihrer Jahrestagung Mitte April in Kassel. Unter dem Motto „Kommt die Wissenschaft Gott auf die Spur?“ analysierten die christlichen Naturwissenschaftler die Grundidee, Geschichte und Wirkung der "Intelligent Design"-Bewegung, sowie die Reaktionen in der Wissenschaft und den Medien. Die SMD (Studentenmission in Deutschland) ist ein Netzwerk von Christen in Schulen, Hochschulen und akademischen Berufen mit Sitz in Marburg.
Für den Theologen Hermann Hafner (Marburg) ist der Versuch, dem christlichen Bekenntnis Raum in der wissenschaftlichen Weltbetrachtung zu geben, „durchaus ehrenwert“, aber in der Form des Intelligent Design sei er problematisch. Gottes schöpferisches Handeln sei kein Gegensatz zu naturwissenschaftlich erforschbaren Vorgängen. Man sollte göttliches Wirken nicht nur dort sehen, wo es keine anderweitigen Erklärungen gebe. Sonst sei Gott ein Lückenbüßer, dessen Handlungsspielraum immer kleiner werde, je größer die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Menschheit würden, meinte Hafner.
Da die Überzeugung von der Existenz eines Schöpfers normalerweise aus nicht-naturwissenschaftlichen Quellen menschlicher Erfahrung stamme, könne die Existenz Gottes folglich auch nicht aus naturwissenschaftlichen Untersuchungen hergeleitet werden, argumentierte Hafner. Deshalb sei es problematisch, die Überzeugung von der Existenz eines Schöpfers zwingend aus naturwissenschaftlichen Forschungen folgern zu wollen. Man übernähme damit das Dogma, dass allein die Wissenschaft verlässliche Erkenntnis der Wirklichkeit vermitteln könne. Laut Hafner stehe Gott vielmehr eine eigene Wirklichkeitsebene zu, die sich in einem indirekt vermittelten Lenken ebenso zeigen könne wie in einem direkten, übernatürlichen Eingreifen. Die jüdisch-christliche Tradition gründe sich auf den Glauben, dass Gott in Raum und Zeit wirke und in der Geschichte Fakten schaffe.
Die Professorin für Theoretische Biophysik an der Technischen Universität Darmstadt, Barbara Drossel, räumte auf der Tagung christlicher Naturwissenschaftler ein, es gebe „eine unglaublich zielgerichtete Komplexität des Lebens, die sich einer detaillierten naturwissenschaftlichen Erklärung derzeit entziehe“. Deshalb habe das Staunen darüber durchaus seine Berechtigung. Es sei allerdings verfehlt, daraus auf eine prinzipielle Unerklärbarkeit des Kosmos und ein übernatürliches Eingreifen Gottes zu schließen, meinte Drossel.
Gunter Schütz, Professor für Theoretische Physik am Forschungszentrum Jülich, setzte sich kritisch mit dem mathematischen Ansatz des "Intelligent-Design"-Befürworters William A. Dembski auseinander. Für Schütz muss das Auftreten spezifizierter, komplexer Information nicht unbedingt auf eine intelligente Urheberschaft zurückgeführt werden, wie Dembski es tue.
Die schrittweise Entwicklung von Lebensformen in Flora und Fauna in der Erdgeschichte – dokumentiert durch Fossilien – weist für den Diplombiologen Holm Dietze, Stendal, klar auf die Evolution hin. Der exakte Mechanismus dieser Entwicklung sei zwar noch im Bereich der Hypothesen anzusiedeln, aber er widerspreche nicht einem richtig verstandenen biblischen Schöpfungsbericht.





