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Pressemitteilung vom 17.11.2008

„Den Menschen nicht als Armuts-Problemfall sehen“

Studientagung zur Weltarmut zeigt christliche Sicht der Millenniumsentwicklungsziele auf

Über eine Milliarde Menschen leben in extremer Armut und müssen ihren Alltag mit weniger als einem US-Dollar pro Tag bestreiten. 800 Millionen Menschen hungern und sind unterernährt, in jeder Minute sterben weltweit 20 Kinder. Die Fakten sind nicht neu und die Halbierung der Weltarmut ist seit 2001 erklärtes Ziel der Vereinten Nationen. Vom 14. bis 16. November zog die Fachgruppe „Wirtschaft und Gesellschaft“ der Akademiker-SMD (Studentenmission in Deutschland e.V.) in Zusammenarbeit mit der Micha-Initiative der Deutschen Evangelischen Allianz eine Zwischenbilanz: Was haben die sogenannten Millenniumsentwicklungsziele bisher erreicht und wie lassen sich Auswege aus der Armut aus christlicher Sicht finden?

Zu der Studientagung mit dem Titel „Zumutung Weltarmut“ kamen rund 100 Teilnehmer aus ganz Deutschland in den Gästehäusern Hohe Röhn (Bischofsheim/Röhn) zusammen. Darunter waren vor allem Studierende und Akademiker aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften. Der Entwicklungsökonom Prof. a.D. Dr. Hermann Sautter (Göttingen) zeigte die Grenzen des rein ökonomischen Denkansatzes der UNO-Strategie auf. So sei ein funktionierendes politisches System in den Entwicklungsländern vorausgesetzt – was in vielen Staaten der Zweidrittelwelt gar nicht gegeben sei. Kulturelle und religiöse Dimensionen der Armut würden von der UN nicht berücksichtigt. So mache zum Beispiel die Weltbank die Einkommensarmut der Menschen für die chronische Unterernährung von Kindern in Sambia verantwortlich. Tatsächlich seien es kulturelle Gründe, die zu einem vorzeitigen Abstillen der neugeborenen Kinder und damit zu deren Unterernährung führen. „Solche Zusammenhänge bekommt man nicht in den Blick, wenn man das Armutsproblem ausschließlich aus einer technisch-ökonomischen Perspektive sieht“, brachte es Sautter auf den Punkt. In diesem Zusammenhang betonte der Professor für Volkswirtschaft die Sichtweise des christlichen Glaubens: „Es ist wichtig den Menschen in seiner Ganzheit zu sehen und nicht nur als einen Armuts-Problemfall.“ Bei jeder Aktion zur Überwindung der Armut müsse der Mensch mit allen Dimensionen seines Lebens im Mittelpunkt stehen – der Arme und nicht die Armut, der Kranke und nicht die Krankheit.

Diese ganzheitliche Sicht des Menschen unterstrich auch der Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbandes, Dr. Wolfgang Neuser (Kassel): „Die Bibel sieht den ganzen Menschen und möchte, dass er ganz heil wird und alles hat, was er zum Leben braucht. Und das ist mehr als Nahrung, Kleidung, Geld.“ Als christlichen Irrweg bezeichnete es Neuser, wenn Armut von Christen idealisiert werde und Menschen allein durch ihre Mittellosigkeit einen besonderen Status bei Gott hätten. Ebenso verwarf er die Idee eines „Wohlstandsevangeliums“ nach dem Motto „wer glaubt, wird reich“. Der Vorsitzender der deutschen Micha-Initiative, Pfarrer Rolf Zwick (Essen), setzte sich für eine „integrale Mission“ ein, bei der Evangelisation, Bildung und soziale Tat einander ergänzen und nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Auch die Bundesregierung hat die Millenniumsziele mit verabschiedet. Doch es gelte, dieses Ziel immer wieder ins Gedächtnis der Parlamentarier zu rufen, weshalb die Deutsche Evangelische Allianz zu Gesprächen mit Bundestagsabgeordneten ermutigt. „Die Millenniumsentwicklungsziele sind gut und richtig, wenn auch immer noch zu wenig ambitioniert, weil sie sich damit zufrieden geben, dass eine immense Menge von Armen in ihrer Armut zurück bleiben. Als Christen sollten wir Politiker ermutigen und unterstützen, wo sie sich das Richtige vorgenommen haben“, so der Allianz-Generalsekretär Hartmut Steeb (Stuttgart).

Dass Christen hervorragende Möglichkeiten hätten, Entwicklungshilfe zu leisten, betonte der aus der Elfenbeinküste stammende Agraringenieur Diomandé Samuel Fan (Kassel). „Christliche Netzwerke können gewährleisten, dass die Hilfe vor Ort auch an der richtigen Stelle ankommt“. Auch wenn Fan den politischen Willen vieler Länder zur Umsetzung der Millenniumsziele vermisst, betonte er, dass Afrika jede noch so kleine Hilfe gebrauchen könne.

Die Studientagung wurde von der weltweiten Micha-Initiative unterstützt, die in der Bundesrepublik von der Deutschen Evangelischen Allianz getragen wird. Die Micha-Initiative will Christinnen und Christen zum Engagement gegen globale Armut und für weltweite Gerechtigkeit begeistern. Sie fordert und unterstützt, dass die Millenniumsentwicklungsziele erreicht werden, und dass extreme Armut bis zum Jahr 2015 halbiert wird.

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