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Material

Andacht des Monats: Der größere Plan

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Zielgedanke

Gottes selbst und die Welt, die er erschaffen hat, sind komplexer, als wir uns das jemals vorstellen können. Wenn wir also Erlebtes oder Gelesenes nicht verstehen oder einordnen können, folgen sie im Zweifel trotzdem einem größeren Plan!

Bibelstelle

Epheser 3

Einstieg

Du kennst bestimmt die Situation: Du möchtest weit entfernte Freunde besuchen, stehst am Bahnhof, hast dich extra beeilt, deinen Kram dafür sogar schon am Vorabend gepackt, um auf jeden Fall ungestresst und pünktlich da zu sein. Morgens hast du extra noch mal in den DB-Navigator geschaut, um zu prüfen, ob dein Zug auch tatsächlich fährt - alles sah super aus und du freust dich schon richtig, deine Liebsten zu sehen. Nun stehst du also am Gleis und urplötzlich - offenbar aus heiterem Himmel - springt die Anzeige erst auf +5 min. Verspätung, dann auf +10 min. und schließlich sogar auf +15 min. Damit weißt du ziemlich sicher, dass du deinen Anschlusszug verpassen und damit mindestens zwei Stunden später am Ziel sein wirst!

Hauptteil

Wirft man einen Blick hinter die Kulissen der Bahn, offenbart sich ein extrem komplexesSystem: Tag für Tag fahren 40.000 Züge durch Deutschland - über 12.000 sogenannte Fahrdienstleiter und viele Disponenten sorgen rund um die Uhr dafür, dass alle möglichst pünktlich ihr Ziel erreichen. Doch das "System Bahn" ist so komplex, dass es kaum zu beherrschen ist! Eine der wichtigsten Kennzahlen, anhand derer der Erfolg der Bahn bemessen wird, ist die "Pünktlichkeit Fernverkehr", die ausdrückt, welcher Anteil aller ICEs, ICs und ECs im Laufe des Tages nie länger als 5:59 Minuten verspätet waren. An richtig guten Tagen liegt dieser Anteil gerne zwischen 80 und 90%, an schlechten auch schnell mal bei unter 50%. Das bedeutet aber, dass es schlicht unmöglich ist, selbst an einem richtig guten Tag alle Züge pünktlich ins Ziel kommen zu lassen!

Je nach Grund der Verspätung ist es für Fahrdienstleiter und Disponenten daher echt nicht einfach, Entscheidungen zu treffen, die alle Züge "möglichst" pünktlich ankommen lassen. Lasse ich zuerst den Regionalexpress fahren, der noch pünktlich ist, der dann aber den dahinter fahrenden ICE aufhalten wird, der aber schon mit +20 min. unterwegs ist? Oder lasse ich den ICE durch, wodurch der Regionalexpress aber +10 min. bekommen wird? Lasse ich einen ICE mit +50 min. vorzeitig enden und gar nicht bis zum Zielbahnhof fahren, damit er wenigstens auf der Rückfahrt wieder pünktlich ist? Ist das den Reisenden gegenüber fair?!

Für dich, der du gerade am Bahnhof stehst und siehst, dass dein Zug plötzlich verspätet ist, bedeutet das natürlich erst mal Frust und dank der grandiosen Informationspolitik der Bahn bekommst du garantiert auch recht wenig von den vielen Entscheidungen und Überlegungen von den Personen im Hintergrund mit, die versuchen, die Gesamtheit aller Verspätungen zu minimieren.

Das Spannende ist, dass es sich in unserem Leben oft ganz ähnlich verhält! Egal, wie lange du schon deinen Weg mit Gott gehst - ob du gerade erst dabei bist, ihn kennenzulernen oder schon seit Jahren auf ihn vertraust - kommst du sicherlich immer wieder an Situationen, in denen du dich fragst, warum um alles in der Welt das jetzt passieren konnte und warum Gott sich offenbar so wenig für dich interessiert und dich gefülhlt einfach so auf deiner Reise stehen lässt!

Und genau wie im System Bahn fällt es dir vielleicht auch in gerade diesen Situationen oft schwer, zu glauben, dass selbst diese Situation Teil eines viel größeren Plans ist. Und so, wie es den 12.000 Fahrdienstleitern der Bahn nicht gelingt, das System und alle Einflüsse so zu beherrschen, dass alle Züge pünktlich fahren, wird es uns nie gelingen, Gottes Plan für uns in Gänze zu verstehen.

Aber mal ganz ehrlich: Wie gut, dass es so ist! Wie klein wäre Gott, wenn wir seine Wege und Gedanken voll und ganz verstehen würden. Damit wäre er kein allmächtiger Gott mehr, sondern nur noch jemand von uns. Und damit gäbe es auch gar keine Perspektive mehr und niemanden, auf dessen Plan wir uns stets verlassen könnten!

Im Epheserbrief weiht Paulus die Gemeinde in Ephesus sogar ein wenig in Gottes Pläne ein! Er schreibt in Kapitel 3, Vers 4 davon, wie er selbst in Gottes "geheimnisvollen Plan" Einblick erhalten durfte (was für ein Privileg!) und ermuntert in Vers 13 die Gemeinde, nicht den Mut zu verlieren: Dass er gerade in Rom inhaftiert ist, ist nämlich gerade kein Ausdruck des Scheiterns Gottes, sondern die Erfüllung seines Plans (selbst wenn er sich persönlich bestimmt bessere Orte zum Verweilen vorstellen könnte). Und so endet sein erster Teil des Briefes (Kapitel 1 bis 3) auch mit der Ermutigung des Verses 20, dass zum Glück nicht nur Gottes Plan größer ist, als wir uns je vorstellen können, sondern auch seine Kraft, diesen Plan auch in die Realität umzusetzen!

Abschluss

  • Lest zusammen Epheser 3!
  • Habt ihr schon einmal Situationen erlebt habt, die euch völlig unverständlich waren und bei denen ihr vieleicht erst viel später gemerkt habt, wie ihr über Umwege gesegnet wurdet oder anderen zum Segen geworden seid?
  • Erzählt euch davon! In Situationen, in denen uns Gottes Plan mal wieder reichlich unklar erscheint, ermutigt es sehr, Situationen zu kennen, in denen deutlich wurde, welches wunderbare Gesamtergebnis dieser Plan vorsieht und das wir heute schon erleben dürfen.
  • Betet zusammen um Vertrauen, sich entspannt auf Gottes Führung einlassen zu können und dieses Gefühl der Geborgenheit auch in schlechten Zeiten nicht zuverlieren!

Fiete, Unternehmensberater - u.a. für die Deutsche Bahn ;-)

PS: Falls du dich mehr für die Komplexität des Bahnverkehrs und für die Pünktlichkeit interessierst, gibt es einen sehr spannenden und kurzweiligen Vortrag von David Kriesel dazu.

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