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Material

Andacht des Monats: Von modernen Schafen

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BiegunWschodni@unsplash.com

Zielgedanke

Jesus vergleicht unsere Beziehung zu Gott mit Schafen und ihrem Hirten. Aber folgen wir Gott tatsächlich immer so vertrauensvoll wie Schafe ihrem Hirten oder sind wir im Alltag häufig etwas "zu verkopft" unterwegs?

Bibelstelle

Johannes 10,4

Einstieg

Schaut z. B. die ersten Minuten von diesem Video (Mit 1000 Schafen unterwegs, YouTube) an.

Hauptteil

Es gibt einige Dinge in der Bibel, die klingen unglaublich antiquiert: Höhlen, Hütten, Öllampen, Steinigungen ... und: Schafhirte. Gefühlt ist die Bibel voll von Hirten und Erzählungen über ihre Arbeit. Und irgendwie klingt das manchmal ganz schön verstaubt, zumindest wenn man in einem Land wie Deutschland lebt. Doch ein Blick in die Statistik lohnt sich: 2017 gab es in Deutschland immerhin 989 Schäfer, die insgesamt ca. 1,6 Millionen Schafe hüten, die wiederum ca. 9600 Besitzern gehören. Gar nicht mal so wenig!

Wer noch nie dabei zusehen konnte, wie Schäfer sich um ihre Schafe kümmern und sie von einer Weide zur nächsten teilweise auch quer durch Dörfer treiben, der sollte das unbedingt mal in Angriff nehmen! Denn plötzlich erscheint das, was Johannes von Jesus' Gleichnis in der Bibel schreibt, in einem ganz anderen Licht! Auch heute noch können Schäfer ihre Schafe quer über eine Weide rufen und kurze Zeit später werden sie von ihren Schafen umringt. Und auch heute noch kann ein Schäfer oder eine Schäferin vor einer Herde Schafe laufen und die Schafe - sofern sie ihren Schäfer kennen - folgen auf Schritt und Tritt, ohne eine Ahnung zu haben, wo die Reise eigentlich hingeht.

Und genauso beschreibt es Jesus in seinem Gleichnis auch: "Wenn er alle seine Schafe hinausgelassen hat, geht er vor ihnen her und die Schafe folgen ihm nach, denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm, denn sie kennen die Stimme der Fremden nicht." (Joh 10,4f). Auch den Hirten beschreibt er: "Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe." (Joh 10,14f).

So alt das mit den Schafen also klingt - die Realität hat sich auch nach mehreren tausend Jahren und in einem Industriestaat wie Deutschland nicht geändert! Daher wird dieses Gleichnis, das Jesus hier erzählt, auch heute noch gerne verwendet, um Gott als guten Hirten zu beschreiben, der sich um das Wohl seiner Schafe kümmert, dem jedes einzelne Schaf wichtig ist und der sich auch zwischen Wolf und Schaf stellen würde, um seine Schafe zu schützen.

Aber wie sieht das eigentlich mit den Schafen selbst aus? Wir identifizieren uns ja eher ungerne mit einem Schaf, denn nach so wirklich viel Intelligenz sehen die im Durchschnitt nicht aus. Doch der Fokus liegt ja eigentlich viel mehr auf dem Verhältnis zwischen Hirte und Schaf bzw. zwischen Gott und uns. Denn Gott ist ja auch viel größer, mächtiger und fürsorglicher als ein Hirte auf Erden.

Doch was macht das Gleichnis, das Jesus hier beschreibt, besonders? Abseits vom wohlwollenden Schäfer ist es doch insbesondere das Vertrauen der Schafe, dass diese Erzählung erst möglich macht! Die Schafe folgen dem Schäfer, ohne zu wissen, ob die Reise jetzt zur Weide nebenan geht oder drei Dörfer weiter. Sie wissen nicht, wie kompliziert der Weg werden kann und welche Gefahren unterwegs lauern. Und da ist noch was: Die Schafe lernen die Stimme des Schäfers. Und auch wenn der nicht da ist, erkennen sie ihn beim nächsten Mal, wenn die Reise weitergeht, auch wenn viele Wochen dazwischen liegen.

Aber was bedeutet das für uns heute? Uns unterscheidet vieles von Schafen, insbesondere aber natürlich unsere Fähigkeit, ein wenig mehr denken zu können. Aber steht uns das nicht manchmal auch im Weg? Folgen wir "unserem Schäfer" - Gott - wenn er uns ruft und können wir uns wirklich auf die Route einlassen, die er mit uns gehen möchte oder gehen wir häufig etwas zu "verkopft" durch den Alltag und zweifeln zu viel? Bei den Schafen ist es normal, dass der Schäfer sie nicht permanent ruft; genauso ruft Gott uns Menschen nicht permanent. Aber kennen wir seine Stimme und vertrauen wir ihr, wenn er uns ruft?

Abschluss

Überlegt euch in der Stille, als wie vertrauensvoll ihr eure Beziehung zu Gott seht. Habt ihr seinen Ruf schon einmal gehört? Seid ihr ihm schon einmal gefolgt, ohne zu wissen, wo die Reise hin geht? Vertraut ihr ihm, wenn er einen Plan mit euch hat, auch wenn ihr ihn nicht versteht und das Ziel nicht kennt?

Sammelt zusammen, in welchen Situationen es euch potenziell schwerfällt, ohne viel Skepsis dem zu folgen, was Gott für euch vorhat. Vielleicht dabei, auf andere Menschen zuzugehen und sie anzusprechen? Von eurem Glauben zu erzählen? Anderen "gute Kleinigkeiten" zu tun?

Bittet Gott darum, zu euch zu sprechen und euch Gelassenheit zu schenken, darauf vertrauen zu dürfen, dass sein Plan für euren Alltag mit allen Begegnungen, Ereignissen und Entscheidungen der richtige ist und er zum Ziel führt, auch wenn ihr ihn auf den ersten Blick vielleicht nicht versteht!

Fiete Ellmer